![]()
Erich Ahrndt
Geboren 1932 in Arnswalde (jetzt Choszczno, Polen), lebt in Leipzig. Berufsausübung
als Dolmetscher und Übersetzer für Englisch und Russisch in Wolfen und Berlin
1953-1955, Fachlehrer für Deutsch, Russisch, Englisch an allgemeinbildender
Schule und an der Karl-Marx-Universität Leipzig 1960-1977, Freischaffender
Übersetzer seit 1977, Übersetzerprämie des Verlags „Volk und Welt“ 1981,
Orden „Ehrenzeichen“ der Sowjetunion 1984 (für das übersetzerische Schaffen)
Übersetzungen im Leipziger Literaturverlag:
Jessenin: Der Winter singt – es ist ein Schreien. Gedichte. LLV 2010
Marina Zwetajewa: Mit diesem Unmaß im Maß der Welt. Gedichte 1913 - 1939
Rezensionen
Authentizität und Modernität
von Karlheinz Kasper, Osteuropa, 12, 2010, S. 144
Sergej Esenin (1895–1925) bekannte in einer 1922 in Berlin verfassten Autobiographie,
mit Kljuev verbinde ihn trotz aller inneren Gegensätzlichkeit „eine tiefe
Freundschaft“. 1915, in einem Brief an Kljuev, hatte er formuliert: „Ich
bin ebenfalls Bauer und schreibe wie Sie, nur in meiner Rjazaner Sprache.“
Esenin war jedoch mehr als
ein Bauernlyriker: Er gilt heute als Inbegriff des russischen Dichters,
dessen Werk zuimmer neuen Übersetzungen herausfordert. Davon zeugt auch
die Auswahl von Erich Ahrndt Der Winter singt – es ist ein Schreien,
vierzig Gedichte und zwei Poeme im Leipziger Literaturverlag. Ahrndt vertraut
Metrum und Reim, wo es sich anbietet, favorisiert aber in der Regel eine
ungekünstelte Eindeutschung; er will den Sinn- und
Stimmungsgehalt so genau wie möglich treffen. Ein Beispiel dafür ist Esenins
letztes Gedicht, an dem kein Übersetzer vorbeigeht. Es entstand in der Nacht
vom 27. zum 28. Dezember 1925, bevor sich der Dichter im Leningrader Hotel
„Angleterre“ erhängte, wurde mit dem eigenen Blut geschrieben und war an
seinen Freund Wolf Erlich gerichtet, der vermutlich als NKVD-Agent fungierte.
Der Lyriker Paul Celan übersetzte die zweite Strophe so:
Hand und Wort? Nein, lass – wozu noch reden?
Gräm dich nicht und werd mir nicht so fahl.
Sterben –, nun, ich weiß, das hat es schon gegeben;
doch auch Leben gabs ja schon einmal.
(Gegen die Sesshaftigkeit des Herzens, Oberbaum 2002, Bd. 1, S. 173)
Erich Ahrndt, der vor allem als Übersetzer der Prosa Bunins, Platonovs, Rasputins, Tendrjakovs und Granins Erfahrungen gesammelt hat, entschied sich für folgende Version:
Lebe wohl denn. Keine Hand, Getreuer.
Zieh nicht Trauerfalten, blicke frei –
Sterben ist in dieser Welt nichts Neues,
Doch auch leben ist nicht eben neu.
Weitere Veröffentlichungen:
Spiegelungen. Erzählung, Gedichte. Edition des Arbeitskreises für Vergleichende Mythologie, Leipzig 2003
Übersetzungen aus dem Russischen (Auswahl):
Valentin Rasputin: Leb und vergiß nicht. Novelle, 1977; ders.: Leb und
liebe. Erzählungen, 1985; ders.: Der Brand. Erz., 1987; ders.: Sibirien
ohne Romantik. Essay, alle im Verlag Volk und Welt, Berlin 1988;
Wladimir Tendrjakow: Die Abrechnung. Novelle, Volk und Welt, Berlin 1980;
Fasil Iskander: Sandro aus Tschegem. Roman, 1983; ders.: Der Seeskorpi-on.
Roman, Volk und Welt, Berlin 1984;
Wassili Below: Vorabende. Roman, Suhrkamp Taschenbuch 1987;
Iwan Bunin: Antonäpfel. Erzählungen, 1982; ders.: Der Kelch des Lebens.
Ezählungen, 1983; ders.: Dunkle Alleen. Erzählungen., 1985, alle beim Aufbau-Verlag
Berlin und Weimar, (alle Teilübers.);
Andrej Platonow: Die Jepiphaner Schleusen, Erzählungen, 1986; ders.: Müllwind,
En., 1987; ders.: Die Reise des Spatzen, En., 1988 (alle Teilü-bers.), alle
Aufbau Verlag Berlin und Weimar;
Daniil Granin: Sie nannten ihn Ur. Roman, Volk und Welt, Berlin 1988
Anatoli Kim: Weiße Trauer, Erzählungen, Philipp Reclam jun., Leipzig 1989
(Teilübers.);
Wladimir Dudinzew: Weiße Gewänder, Roman (mit Ingeborg Schröder), Volk und
Welt, Berlin 1990;
Boris Jampolski: Kommunalka. Roman, Reclam-Verlag, Leipzig1991;
Boris Nossik: Der seltsame Prozess, Sachbuch, Aufbau Taschenbuch Ver-lag,
Berlin 1992;
Franziska Thun (Hg.): Erinnerungen an Pasternak. Essays, (Teilübers.), Aufbau
Verlag, Berlin 1994;
Marina Zwetajewa: Das Abenteuer, Bühnenstück, henschel Schauspiel, Berlin
1995;
Alexander Woronski: Die Kunst, die Welt zu sehen (mit Ingeborg Schrö-der),
Ausgewählte Schriften 1911-1936, Arbeiterpresse Verlag, Essen 2003