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Manuel Alegre

Geboren 1936 in Águeda/Portugal, lebte während der Salazar-Diktatur im Exil in Algerien und Frankreich, seit 1965 zahlreiche Gedicht- und Prosabände, mit “Uma flor de verde pinho” gewann er 1976 beim “Festival
RTP da Canção”, seit 1975 Mitglied des portugiesischen Parlaments (amtiert zur Zeit als dessen Vize-Präsident), 2006 Präsidentschaftskandidat in Portugal

"Portugal in Paris, nie empfand ich eine solche Demütigung, einen solchen Schmerz, mein Land schmerzt mich bis ins Mark. In Angola, in Guinea und Moçambique sind Hunderttausende aufgestellt im Karree, um ein Nichts zu verteidigen, hier sehe ich das Imperium von der Kehrseite, deshalb habe ich heute keine Geduld für die subtilen Unterschiede der Zitate, ich stelle mich taub für Wladimir Iljitsch Uljanow, 'Lenin’, mein Name ist portugiesisch, mein Land ist begraben im Busch von Angola und in der Scheiße von Paris ..." (Manuel Alegre)

"Alegres politische Balladen kursierten 1974 klandestin in den Studentenheimen." (Henry Thorau, in: Portugiesische Literatur, Suhrkamp 1997)

"Unmöglich zu unterscheiden, das, was real ist, von dem, was Fiktion ist. Wahre Gedichte in Prosa, erzählen sie einen Traum von der Freiheit und von der Rückkehr in die Heimat, gelebt und geschrieben mit Blut." (José Augusto Seabra)

"Manuel Alegre ist von unbestechlichem Charakter, unbeugsam und ungebeugt." (Miguel Veiga)

Veröffentlichungen (Auswahl)

Gedichte
Praça da Canção 1965; O Canto e as Armas 1967; Um Barco para Ítaca 1971; Coisa Amar (Coisas do Mar) 1976; Nova do Achamento 1979; Atlântico 1981; Babilónia 1983; Chegar Aqui 1984; Aicha Conticha 1984; A Rosa e o Compasso 1991; Com que Pena – Vinte Poemas para Camõe 1992; Sonetos do Obscuro Quê 1993; Coimbra Nunca Vista 1995; As Naus de Verde Pinho 1996; Alentejo e Ninguém 1996; Che 1997; Pico 1998; Senhora das Tempestades 1998; Livro do Português Errante 2001

Prosa
Jornada de África 1989; O Homem do País Azul 1989; Alma 1995; A Terceira Rosa 1998;
Uma Carga de Cavalaria 1999; Cão Como Nós, 2002; Rafael 2003

Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung (Auswahl)

Gedichte und Prosa, Portugiesisch – Deutsch, aus dem Portugiesischen von Sarita Brandt, TFM Frankfurt a.M. 1998; Rafael (Aus dem Portugiesischen von Markus Sahr), ERATA 2007

Stimmen zum Buch

"Rafael ist ein moderner Roman, der in Passagen an den Noveau Roman erinnert, aber auch an die Montageform eines Don Passos, sowie an Erzähltechniken seines portugiesischen Landsmannes Fernando Pessoa und Alegres noch lebenden Freundes Herberto Helder. Lyrische Passagen, surrealistisch eingefärbt, stehen dort neben sprachlich glänzenden Dialogen und poetischen Beschreibungen von Stadt und Landschaft ... In einem spannenden, rasch sich entwickelnden, dramatischen Handlungsverlauf, retardiert der Roman und bewegt sich atemlos auf ein für den Leser noch unbekanntes Ziel hin. Das ist ein lehrreiches und gebildetes Buch über die Nelkenrevolution, ihre sympathischen Schwächen und Kardinalfehler und über den andeutungsweise langwierigen Prozeß ihres Übergangs zur Demokratie." Heinz Weißflog, Ostragehege, 02-2008

Die Buchpremiere zur Leipziger Messe, März 2007

"Nach den ersten Seiten stehe ich in seinem Gedankensturm. Die kurzen Kapitel flimmern wie Szenen eines Films an mir vorbei, die unzähligen, portugiesischen Namen liegen wie Stolpersteine auf der Flucht. Ich begreife noch nicht worum es geht, bis ich Rafael endlich treffe, den Matrose, der von Utopia erzählt und aus seiner Heimat fliehen muss.

Wenn er liest, rollte Manuel Alegres tiefe Stimme die ‚Rs’ und reitet wie der Hauptmann in weißer Uniform mit Degen dem Publikum entgegen. Fast wie ein Gebet, wie ein Gedicht, klingen die ersten Passagen in mir nach. Später wird es ruhiger. Die Passagen aus den späteren Kapiteln erzählt ein alter Mann, der sich an die Einsamkeit des Exils erinnert. Träumerisch, die Suche nach Utopia noch nicht aufgegeben.

(…), es war besser, sie schämten sich meines Todes, als dass ich mich schämte zu leben.

Manuel Alegre ist Politiker. Sein dunkelblauer Anzug sitzt, sein Bart ist gepflegt und seine Augen blicken mit freundlicher Höflichkeit in die seiner Leser.

Manuel Alegre ist Dichter. Während der Lesung lauscht er gespannt dem Rhythmus den seine Worte in der fremden Sprache seines Übersetzters bilden.

Dieser Teil des Lebens ist nur dein eigener. Niemand will davon wissen. Wenn du später davon erzählst, wird man Thema wechseln. Sogar deine Freunde tun es. Es bleibt kein anderes Mittel, außer darüber zu schreiben, als erzähltes du es dir selbst. Der Krieg, das Gefängnis, der Sprung, das Exil. Das Umhergetriebensein, heute das eine Hotel, morgen das andere, immer auf der Suche nach einem Kontakt, dabei ohne Bleibe, ohne ein Obdach, ohne eine sichere Stätte überhaupt, wer wird die Zurückweisung verstehen, den Bruch mit beinahe allem, der Heimat, der Familie, geliebten Menschen, wer wird die Geduld aufbringen, diese Geschichte anzuhören, ohne feste Zeiten, ohne Alltag, ohne eine Richtung überhaupt? Und wie vorgeben, man würde verstehen, dass man im Namen einer mehr als hypothetischen Revolution abtat, was doch eine, wer weiß, vielleicht sogar glänzende Laufbahn hätte sein können?

Und dann hole ich Luft, für uns beide, Rafael und mich, und lese und lese, als ob ich ihm dadurch eine Heimat geben kann.

Manuel Alegre ist Rafael. Er ist sein eigenes jugendliches Selbst und das vieler anderer auf der Flucht vor der Salazar Diktatur Portugals in den 60iger Jahren. Er ist die Einsamkeit der Exilanten in Paris und Algerien. Rafael ist kein Buch über Politik oder Revolution, aber es ist ein politisches Buch. Es ist die Geschichte eines Bürgers, der seine Heimat verliert. Eines jungen Idealisten, der zweifelt, sie je dort wiederzufinden, wo er sie verloren hat, sie vielleicht nie wieder zu finden. Aber Rafael findet sein Zuhause in der Sprache.

Das war, was er sagte, die Dichtung ist die Macht, deshalb lassen die Diktatoren uns festnehmen und töten, genau deshalb und nur deshalb: die Dichtung ist die Macht.

Nun ist der Dichter an der Macht. Mit dem Beginn der Nelkenrevolution 1974 kehrte Manuel Alegre nach zehnjährigem Exil nach Portugal zurück. Als Mitglied der Sozialistischen Partei Portugals ist er seit 1975 Abgeordneter. 2006 hat er sich als unabhängiger Kandidat zu den Präsidentschaftswahlen aufstellen lassen und nur knapp verloren. Seither ist der Dichter Vizepräsident seiner Heimat.

Mit Rafael hat Manuel Alegre seinem Land ein großes Buch geschenkt. Markus Sahr hat es mit Feingefühl übersetzt und dem Leipziger Literaturverlag kann zu diesem Fund nur beglückwünschen."

(Serendipity auf: literaturwelt.de)

 

 

 

 

 

 


 


Textprobe
aus: Rafael

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