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Oliver Bendel

1968 in Ulm an der Donau geboren. Nach dem Studium der Philosophie und Germanistik (M.A.) sowie der Informationswissenschaft (Dipl.-Inf.-Wiss.) an der Universität Konstanz erfolgte die Promotion im Bereich Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen (Dr. oec.). Bendel arbeitete in Deutschland und in der Schweiz als Projektleiter im Bereich Neue Medien und leitete technische und wissenschaftliche Einrichtungen an Hochschulen. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Zürich und lehrt und forscht als Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Hochschule für Wirtschaft (Basel, Olten und Brugg).

Interview im Südkurier

mit Oliver Bendel zur medialen Zukunft der Literatur und Deutschlands ersten Krimi für Mobiltelephone

Veröffentlichungen

Gedichte und Kurztexte wurden u.a. in der Zeitschrift neue deutsche literatur (ndl) und im Gedichtband „Die Stadt aus den Augenwinkeln“ (Alkyon Verlag) veröffentlicht.

Prosa

Nachrückende Generationen. Roman, ERATA 2007
Künstliche Kreaturen. Roman, ERATA 2008
Nachrückende Generationen. Hörbuch, Gesprochen von Johannes Gabriel, ERATA 2009
Verlorene Schwestern, Roman, LLV 2009

Zu "Verlorene Schwestern"

Die Drohne hat dich gefunden

Der Überwachungsstaat, so könnte eine These lauten, ist zur Überwachungsgesellschaft geworden. In dem neuen Roman "Verlorene Schwestern" von Oliver Bendel setzen ein Schüler und eine Arbeitslose selbst entwickelte Technologien zur Bespitzelung ein. Es handelt sich um einen der ersten Romane, die mit der Unterstützung von Google Earth entstanden sind. Zugleich treten im Buch die Risiken solcher und verwandter Technologien zutage.

Überwachung und Bespitzelung bringt man immer noch vor allem mit dem Staat in Verbindung. Neu gegründete Organisationen wie die Piratenpartei und neu lancierte Initiativen wehren sich gegen staatliche Überwachung und Zensur. Immer mehr werden aber auch Überwachung, Bespitzelung, Zensur und Mobbing durch Unternehmen und Privatpersonen thematisiert. Diejenigen, die ihre Freiheit durch den Staat bedroht sehen, bedrohen nicht selten selbst mit ihrer Nutzung von Technologien und Medien ihre Mitmenschen. Unternehmen wie Google und Facebook haben ebenso innovative wie gefährliche Dienste und Strukturen aufgebaut.

Der Roman "Verlorene Schwestern" von Oliver Bendel nähert sich diesem Thema spielerisch und auf doppeltem Boden. Er spielt vor der realen Kulisse von Dresden, hinter der surreale Welten liegen. Maik, ein 16-jähriger Junge, hat eine Drohne entwickelt, die einer Fliege gleicht und mit deren Hilfe er alles sehen kann, was er sehen will. Sein Plan ist, Prominente und Reiche auszuspionieren und, wenn er das ultimative Bild gefunden hat, zu erpressen. Nur seinem Tagebuch vertraut er sich an, einem digitalen Rekorder. Nancy, die früher als Mundmodell und für die Stasi gearbeitet hat, surft mit ihrer kleinen Maschine auf elektromagnetischen Wellen, bis sie auf Schallwellen trifft. Wie früher belauscht sie andere, aber ohne an verwanzte Räume gebunden zu sein – und nicht, um Böses zu schaffen, sondern um Böses zu verhindern. Maik und Nancy kommen über die ahnungslose Stadt. Sie wissen nichts voneinander, bis die Frau ein merkwürdiges Brummen hört. Fast eine Fliege. Aber eben nur fast.

Der neue Roman von Oliver Bendel ist im August 2009 im renommierten Leipziger Literaturverlag (www.leipzigerliteraturverlag.de), vormals ERATA Literaturverlag bzw. Edition ERATA, erschienen. Wie in "Nachrückende Generationen" (2007) und "Künstliche Kreaturen" (2008) spielen diejenigen Technologien und Medien eine wichtige Rolle, die den Wünschen und Sehnsüchten der Menschen dienen und die zugleich Menschen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten gefährlich werden können. Es handelt sich, wie gesagt, um einen der ersten Romane, die mit Hilfe von Google Earth realisiert wurden; insofern wird auf der Produktionsebene das benutzt, was auf der inhaltlichen Ebene in Frage steht, ein typisches Dilemma und Paradoxon unserer Zeit.

Stimmen zu Oliver Bendel

Verlorene Schwestern: Ein Roman übers Abhorchen, Zugucken und Einsamsein
Ralf Julke, L-IZ vom 22.12.2009

"Sie wollen zur Website 'Der Wissenschaftler Prof. Dr. Oliver Bendel' wechseln? Klicken Sie hier." – Es gibt ein paar Wissenschaftler in Deutschland, die haben es noch drauf. Die leben ein zweites Leben als Schriftsteller. So wie Oliver Bendel, Philosoph, Germanist und Diplom-Informatiker aus Zürich. Man hört ja die Schweizer derzeit laut klagen, wie deutsche Professoren die dortigen Universitäten überschwemmen. Was ja nur zum Teil an der Schweizer Gastfreundschaft liegt, zu einem größeren Teil an einem völlig vom Bologna-Prozess benebelten Hochschulwesen in Deutschland. Und so erfreut der Wirtschaftsinformatiker Bendel von der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW her die Welt nicht nur mit Büchern zum e-Learning. Er beschert der lesenden Welt auch belletristische Bücher, hat mit Handy-Romanen auch schon ein neues Medium fürs Schreiben entdeckt und damit Furore gemacht.

Der eigentliche Spaß dabei: Seine Handy-Romane sind hernach als gedrucktes Buch erschienen. Aber die neuen Medien beschäftigen den Informatiker natürlich auch in seinen Geschichten. Cyber- und Telefonsex und noch ein paar der technischen Partnerschafts-Ersatze spielen in Bendels Roman "Nachrückende Generationen" eine Rolle, der 2007 bei Erata erschien, 2009 dann auch als Hörbuch, eingesprochen von Johannes Gabriel. 2008 gab's dann – ebenfalls bei Erata – "Künstliche Kreaturen". Man ahnt schon: In einem vergangenen Jahrhundert wäre Bendel recht zwangsläufig beim Heyne-Verlag in München in der SF-Serie gelandet. Doch mit den Verlagsveränderungen bei Heyne ist in Deutschland auch die Fleißarbeit für die Science Fiction abhanden gekommen. Man druckt lieber die Bestseller aus den USA in Stapeln nach, egal wie schwachsinnig Plott und tragende Idee sind. Meistens wird geballert, überfallen irgendwelche Monster die friedlichen USA und ein diensteifriger Captain erledigt die Aliens mit einer ausgedienten Propellermaschine von 1915.

Dass die Zukunft in unserer Gegenwart schon präsent ist und sie verändert, ist dann eher eine schwerere Schreibaufgabe. Erst recht, wenn man zwar weiß, was technisch möglich sein könnte, aber nicht, wie es das menschliche Leben verändert. Der Titel von Bendels neuestem Roman "Verlorene Schwestern" ist irreführend. Nur eine Schwester ging tatsächlich verloren – die von Maik, einem 16-jährigen kleinen Tüftler aus Dresden, den Bendel ein winziges Fluggerät mit eingebauter Kamera bauen lässt, seine Fliege, la mouche. Die Mini-Drohne steuert er mit Joystick, die Kamerabilder verfolgt er live auf dem Bildschirm. Doch wirklich Sinnvolles scheint ihm für das Tierchen nicht einzufallen – er will lieber zehn Dresdner Berühmtheiten ausspähen und dann erpressen. Fiese Typen wie den Ex-Politiker, der mit der italienischen Mafia unter einer Decke zu stecken scheint, oder den Ex-Fußballer, der sich an kleinen Jungs vergreift. Den Schauplatz Dresden kennt Bendel hauptsächlich aus einer Perspektive: der von "Google Earth". Noch ein zweites Super-Genie platziert Bendel in Dresden: Nancy, dermaleinst in sozialistischen Zeiten begehrtes Fotomodell (ihre Mundes wegen, la bouche) und Abhörspezialistin der Stasi. Letzteres bereut sie und will es irgendwie wieder gut machen, entwickelt eine Art Abhör-Radar, mit dem sie sich Geräuschquellen von überallher heranzoomen kann. Und weil auch sie dem mafiösen Ex-Politiker auf die Schliche kommen will (um ihn der Gerechtigkeit auszuliefern), kreuzen sich die Wege der beiden Genies. Und während Maik seine Gedanken beim Herumfliegen mündlich seinem "Tagebuch" anvertraut, kommt Nancy im inneren Monolog zu Wort. Man wispert sozusagen aufeinander zu, während sich draußen die technischen Errungenschaften begegnen und ein kleines Kaleidoskop einer kriminellen Halbwelt auftaucht, pizzaschmatzend und aufs Herzbrüderlichste verbandelt. Man möcht ja nicht vermuten, das hier die Nachrichten über den "Sachsensumpf" eine kleine Rolle gespielt haben.

Der "große Dichter" Karl May taucht noch auf, scheint sich auf einmal sogar regelrecht mit eigenen Erinnerungen in den Text zu drängen. Aber das ist dann schon die Phase, in der zumindest beim pubertierenden Maik so langsam ein paar Geistesverwirrungen beginnen. Möglicherweise ausgelöst von einer Entdeckung über sein Schwesterlein, die er so nicht erwartet hätte. Während Nancy alias la bouche im Atelier eines großen Hunde-Malers auf die Spuren ihrer Vergangenheit stößt. An dieser Stelle hat die Handlung alle Möglichkeiten - könnte in einen großen Showdown führen oder in eine wilde Ganovenjagd, in einen Roman, der die Möglichkeiten der Abhör- und Ausspioniertechnik tatsächlich auslotet oder in eine Begegnung mit richtig fiesen modernen Abhörspezalisten. (Dass die nicht auftauchen, verwundert sowieso.) . Aber Bendel wählt lieber die klassische romantische Variante: Seine beiden Genies werden zu Berserkern, zertrümmern ihre Erfindungen, die irgendwie angefangen haben, lebendig zu werden wie Frankensteins Monster. Und am Ende begegnen sich die beiden. An der Stelle, an der "für gewöhnlich abgeblendet" wird.

Und was lernt man dabei? – 1. Unterschätze auch die Ganoven in deiner Heimatstadt nicht, sie stecken alle unter einer Decke. 2. Ein Google-Besuch in Dresden reicht nicht aus. 3. Schreib deinem Arbeitsgerät niemals eine Persönlichkeit zu – das führt in ein literarisches Dilemma, das sich selbst mit vielen Gläschen Schnaps nicht auflösen lässt. Das Dilemma kennt man ja von Isaac Asimovs Robotern. Und so betrachtet wäre die Fliegenklatsche genau da richtige Happyend gewesen: "Die großen Löcher der Fliegenpatsche. Fast könnte man durchschlüpfen. Aber nur fast."

 


Schwäbische Zeitung vom 18. 7. 2009

"Der bekannteste Autor von Handyromanen im deutschsprachigen Bereich ist der promovierte Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel aus Zürich. Passend zur Buchmesse in Leipzig hat er einen neuen Roman Handygirl-Part 1 veröffentlicht und stellt ihn dort vor." Johannes Jolmes, ZEIT Online, 13. März 2009; zu den Handyromanen und zu "Handygirl Part I" von Oliver Bendel

"Letztlich aber bleibt Lucys Liebesleben feines Beiwerk, geschickt spannt Bendel den Bogen durch den aktuellen Fall. Die Detektivin ermittelt ganz zeitgemäß auch mit dem Internet. Dort sammelt sie Infos in Kontaktbörsen wie studivz, recherchiert im Onlinelexikon Wikipedia." Jens Eschert, Sächsische Zeitung, 13. Februar 2009; zu "Lucy Luder und die Hand des Professors" von Oliver Bendel


Ulmer Kulturspiegel, 28. 1. 2009

 

 


Textprobe

Zu den Büchern !
- Nachrückende Generationen
- Künstliche Kreaturen
- Nachrückende Generationen als Hörbuch
- Verlorene Schwestern

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