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Nina Chabias (Komarowa-Obolenskaja)
geb. 1892, Mitglied im Allrussischen Dichterverband SOPO, 1922 Beschlagnahmung ihres in wenigen Exemplaren veröffentlichten Gedichtbandes “Stichetty“ (Versette), in den 30er Jahren mehrmals verhaftet und verbannt, starb Anfang der 40er Jahre an unbekanntem Ort
Veröffentlichungen in deutscher Sprache
Guttapercha des gänsehäutigen Gehänges. Gedichte aus dem Russischen von Henrike Schmidt, mit Graphiken von Djoma Djumabaeva, ERATA 2008
Die Legende kürte Nina Chabias zur Dichterin der Moskauer Kutscher, die
ihre Verse angeblich hinter heruntergelassenem Verdeck lasen. Mit brutaler
Offenherzigkeit schildert sie körperliche Liebe aus weiblicher Perspektive:
die Lust an der Unterdrückung, an der halluzinatorischen Droge Sex. Diese
Entschleierung schreckt vor einer Entlarvung des Sexuellen in den weltanschaulichen
Systemen – des Christentums wie des Kommunismus – nicht zurück. Der religiöse
Charakter der Sexualität und das sexuelle Erregungsmoment des Religiösen
werden aufeinander projiziert in Versen erduldeter Gewalt und Ekstase. Chabias
operiert mit einer durch die politischen Katastrophen verstümmelten, zerrissenen
Sprache, die das Universale, “Transrationale“ anstrebt. Mitunter den Verfechtern
einer gegenstandslosen Kunst, den Bespredmetniki, zugeordnet, bewegen sich
die Gedichte der Chabias doch um den einen, unausweichlichen Gegenstand:
den menschlichen Körper.
Rezensionen
Ein
lyrischer Kreuzweg - Die Gedichte der Nina Chabias
von Anne Krier
Verheißend exotisch, rätselhaft und etwas verrucht: so präsentiert sich der kürzlich im Leipziger Literaturverlag unter dem Titel Guttapercha des gänsehäutigen Gehänges erschienene Gedichtband der russischen Avantgardedichterin Nina Chabias. Die Autorin selbst, im Klappentext zudem als „Dichterin der Moskauer Kutscher“ angekündigt, schien, im Unterschied zum Verlag, Wert auf Schlichtheit zu legen: denn jene Titel, die die Chabias ihren nun in deutsch-russischer Fassung publizierten Gedichtbänden gegeben hatte, lauten bloß Stichetty (Versette, 1922) und Stichi (Gedichte, 1926). Neben diesen beiden Textgruppen, die aus neun, respektiv 32 knapp proportionierten Gedichten der Jahre 1919 bis 1921 und 1920 bis 1925 bestehen, präsentiert Guttapercha des gänsehäutigen Gehänges noch zwei weitere Sammlungen: Nesobrannoe (Verstreutes) und DUBIA, die verstreut oder gar nicht publizierte Werke der Dichterin enthalten. Die Gedichte begleiten sechzehn dezent erotisch angehauchte Illustrationen der jungen Petersburger Künstlerin Djamal Dumabaeva, die das Image der Chabias als dekadenter Erotomanin noch unterstreichen.
Dass hier nicht die literarischen Ergüsse eines die Avantgardeszene der 20er Jahre heimsuchenden Vamps, sondern ernstzunehmende Dichtung präsentiert wird, betont der wissenschaftliche Apparat, in den die Gedichte eingebettet sind. Die voyeuristische Vorfreude des auf den „rätselhaftesten und zugleich anstößigsten“ Namen der russischen Literatur gespannten Lesers dämpft vor allem das Nachwort der Übersetzerin Henrike Schmidt, einer bekannten, derzeit an der Freien Universität Berlin tätigen Slavistin. Im Unterschied zu Schmidt, die im Nachwort eine erste und dennoch tief schürfende literaturwissenschaftliche Analyse der Gedichte vornimmt, gelingt es dem Vorwort Sergej Birjukovs bedauerlicherweise jedoch nicht, über die Darstellung der publikumswirksam skandalträchtigen Autorbiographie hinauszugehen.
Bei Birjukov erfährt der Leser von der vornehmen Herkunft und Erziehung der jungen Nina Petrovna Komarova (geboren 1892) und von ihrem Aufenthalt in Sibirien, wo die junge Frau während des Bürgerkriegs einen gewissen Obolenskij, einen weißen Kommandeur und vielleicht sogar Grafen, ehelichte. Hier begann sie, sich in ihre eigene Mystifikation zu verwandeln: die Chabias, eine erotisch provozierende und überlange Papirossi rauchende Dichterin. Nachdem Nina Chabias sich mit extravaganten öffentlichen Auftritten, ihrer Bekanntschaft zu den bekanntesten Vertretern der Avantgarde (darunter Namen wie Sergej Esenin, Boris Sadovskoj, Aleksej Kručonych und David Burljuk), sowie einem für seine Obszönität verschrienen Gedichtband (Stichetty, 1922) einen Namen gemacht hat, endet ihre literarische Karriere Ende der 20er Jahre. 1926 muss Nina Chabias - wahrscheinlich aus Geldmangel - auf den Druck ihres zweiten, schon fertig gesetzten Buches (Stichi) verzichten. Aus der wilden Dichterin wird nun eine Übersetzerin und, 1937, ein Opfer der stalinistischen Säuberungen. Nach dem berüchtigten Paragraphen 58 wird die Chabias zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt – wieder scheint sie ‚Glück’ zu haben, denn sie wird im Jahre 1942 vorzeitig entlassen. Nach Moskau jedoch kehrt sie nie zurück: 1943 taucht Nina Chabias in der turkmenischen Stadt Mary auf, dann aber verliert sich ihre Spur. Wo und wann sie gestorben ist, bleibt unbekannt.
So weit, so gut. Doch hätte man sich gewünscht, dass ein anerkannter Literaturwissenschaftler wie Birjukov von der leidigen Angewohnheit der Verlagswerbung und der Literaturkritik, das Publikumsinteresse immer zuerst auf die Person des Autors zu lenken, abrückt. Sollte Birjukov dies mit seinen Anspielungen auf einen „skandalumwitterten“ Esenin-Kreis, poetische Strömungen wie die Neoklassiker, die Zaumniki, die Imaginisten und Futuristen, sowie Verweise auf Dichter wie Burljuk, Kručonych, Šeršenevič und andere, die über die Dimension des literarischen Klatsches kaum hinausgehen, bezweckt haben, so ist es ihm misslungen: Einem mit der russischen Literaturgeschichte nicht vertrauten Leser bleibt nur der Griff zum Nachschlagewerk.
Einen wichtigen Hinweis darüber, wie die Gedichte der Chabias n i c h t zu lesen sind, gibt Birjukov seinem Leser dennoch: Nina Chabias schrieb k e i n e Pornographie. Die Chabias schreibt von Körpern und der Liebe der Körper - doch schreibt sie weniger von der Lust, als von der Qual der Liebe. Und sie schreibt von der Lust der Qual: Der weibliche Körper, den die Chabias „in all seinen Formen und Falten“ nachzeichnet, durchläuft in den Gedichten des Bandes Stichetty einen erotischen Kreuzweg, an dessen Stationen Schmerz, Tod und Lust, Körperliches und Geistiges, sexuelle und religiöse Ekstase ineinander verschmelzen. So schreibt Chabias in einem ihrer frühen Gedichte (1912/1921): „Genug des tierischen Laufs im Rad/Den Hals verdreht die Schlinge aus Draht/Dem Sperma erwärmten Leib/Stellt der Täufer eine Kerze bei“ („Dovol’no kolesa belok/Arkane šeju tjanut’/Nad otoplennom spermoj telu/Krestitel’ postavil sveču“). Eros und Thanatos stehen in den wie bezugslos aneinander gereihten Versen nebeneinander und werden erst in der fließenden Grenze zwischen Sexuellem und Religiösem, in der engen Verwandtschaft zwischen dem Motiv der Taufe und dem der Profanierung des weiblichen Körpers durch den Geschlechtsakt – der doch gleichzeitig als wärmend und somit Leben spendend erscheint - miteinander vereint.
Diese enge Verquickung von Glauben, Gewalt und Erotik besitzt provokatives
Potenzial, tendiert aber nie zur Vulgarität. Auch die obszöne Lexik, mit
der ihre Gedichte angeblich „gespickt“ sein sollen, verwendet die Chabias
recht selten. An der richtigen Stelle eingesetzt, offenbaren sich Einschübe
wie „dem Sperma erwärmten Leib“ oder „die ausgewaschene klebrige Vulva“
jedoch als prägnanter als die durchgängige Verwendung von einschlägigem
Vokabular. Eindeutige Bilder entstehen vor dem inneren Auge des Lesers auch
durch gelungene Verschiebungen (‚sdvigi’), die ganz im Sinne der transrationalen
Sprache der „zaumniki“ neue Wörter hervorbringen und Grammatik und Syntax
dekonstruieren. So etwa der dem Vierzeiler Autograph (Avtograf, 1921) entnommene
Titel der deutschen Ausgabe: Guttapercha des gänsehäutigen Gehänges
(Gutaperču gusinyh mudej: wobei allerdings zu bemerken ist, dass das deutsche
„Gehänge“ dem russischen „mudi“ an obszöner Ausdruckskraft um einiges unterlegen
ist), eine Metapher, die an Einprägsamkeit ihresgleichen sucht. Ein Ausdruck
aus der Botanik („Guttapercha“ bezeichnet den eingetrockneten Saft des malaiischen
Guttapercha-Baumes, eine dem Kautschuk ähnliche Masse) wird hier kombiniert
mit dem ersten Teil des russischen Ausdrucks für „Gänsehaut“ – „gusinaja
koža“ – wobei die Haut aber durch das ordinäre „mudi“ ersetzt wird.
Schon hier deutet es sich an: Die Körper, die, wie Henrike Schmidt bemerkt,
„in den Gedichten zur Sprache kommen, sind nicht schön“. Lächerlichkeit
und Hässlichkeit, Leid und Tod, sie begleiten diese oft geschundenen Körper
bis in die Tiefen der Lust: Hinter dem aufs Äußerste gereizten, körperlichen
Empfindungsvermögen lauern Ekel und Angst. Die Dichterin, die eines ihrer
Gedichte voll Freude jauchzen lässt: „Die Sonne mein Euter lecklauste/Poliert
Kuppel Bauch/Zog die Wollust wie Gummi/Lausche das Schüstern der Schritte“
(Solnce moe vymja livyzalo/Loščit kupol život/Vytjanul smako rezinoj/slušaju
šohot šagov“, ohne Titel, 1920), entwickelt in anderen Gedichten eine
scharfe Beobachtungsgabe für Alter, Zerstörung und Zerfall inmitten altbekannter
Lustgefühle. „O wie freudlos, wie karg der Abend/O wie das erregte Gesicht
verbergen/In dem zertrampelten Beet/Meiner schielenden Tage.“ („O kak bezradosten,
kak skuden večer/O kak lico trevožnoe sbereč’/Vrastrepannoj grjade/Moih
raskosyh dnej“), schreibt sie an anderer Stelle. Erinnerte Lebensfreude
steht gegen grausame Einsamkeit und erlösenden Tod: „Armselig wölfisch
das Altern,/Wenn in grauen Schachteln die Zähne/Erkalten in goldener Fassung,
-/Denk ich ans gelbe China und die Omsker/Burjaten breitlippig und stürmisch.“
(Ètoj vol’čej niščenskoj starost’ju,/Kogda v korobočkah seryh zuby/Stynut
zolotoj oprave, -/Pomnju želtyj Kitaj i Omskih/Širokogubyh, pyl’nyh burjat.“
Nina Chabias’ „Gesamtwerk“, das durch Guttapercha des gänsehäutigen Gehänges wohl vollständig zugänglich gemacht worden sein dürfte, ist entsprechend der kurzen Schaffensperiode der Dichterin wenig umfangreich. Im Zentrum ihres Schaffens steht ein ausgeprägtes Interesse für alles Körperliche: selbst in den Gedichten, die nicht direkt dem Eros gewidmet sind, sticht die Faszination der Chabias für den weiblichen Körper im Brennpunkt sinnlichen Erlebens und Erleidens ins Auge. Körperbilder und körperliches Erleben strukturieren sowohl religiöse, wie alltägliche Themen, Gedichte mit biblischen Reminiszenzen, wie solche, die von herrenlosen Hunden oder trächtigen Katzen handeln. Zwar sind, mit Ausnahme der durch die Kubo-Futuristen hochgeschätzten Verschiebungen, die sprachlichen Mittel und die Symbolik, die die Gedichte gestalten, eher traditionell (Nina Chabias arbeitet vor allem mit die Inkongruenz ihrer Grammatik kontrastierenden Alliterationen und Assonanzen), die Schonungslosigkeit jedoch, mit der die Dichterin eine vor geschundenen Körpern geradezu wuchernde Welt entblößt, entspricht, ebenso wie ihre provokante Lebenshaltung, den revolutionären Ansprüchen jener Generation von Schriftstellern, die zu Beginn der 20er Jahre das Gesicht der russischen Avantgarde prägten.
Russische
Literatur in sächsischen Verlagen
Svetlana Voljskaia
Die Lyrikerin Nina Chabias (Nina Petrowna Olobenskaja, geborene Komarowa, 1892-1943, Absolventin des Smolnyj - Instituts tugendhafter Mädchen) ist ein erstaunliches Dichterexemplar der russischen Avantgarde Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihr Aufsehen erregender Gedichtband „Stichetty“, erschienen 1922, traf das Publikum wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die offenherzigen erotischen Darstellungen und vor allem der Umstand, dass die tugendhafte Dame die intimsten Dinge beim Namen nannte, erschütterten die russischen Leser. Die Dichterin geriet als „Gräfin Unflat“ und „Barkowa im Rock“ in Verruf. Zwei Monate Gefängnis saß sie in der Butyrka wegen des Buches ab. Später, im Jahr 1937, wurde sie allerdings erneut verhaftet - und zwar ohne jeglichen poetischen Anlass, sondern wegen antisowjetischer Propaganda. Zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt, blieb sie fast bis an ihr Lebensende eingesperrt.
Heute wirkt die Poesie von Nina Chabias längst nicht mehr so unverschämt und herausfordernd wie einst. Der moderne Leser hat geläuterte Erwartungshaltungen. Andere Zeiten - andere Sitten. Er findet in diesem Buch weibliche, erotische Liebeserlebnisse, gewürzt mit einer quälenden Traurigkeit, die sich aus einem beinahe mystischen Gefühl des kommenden Schicksals speist. Die deutsche Ausgabe hat außerdem den Vorzug, dass sie mit einem Vorwort des Meisters S. Birjukow aufwarten kann. Die gelungene Buchillustration stammt aus der Feder der talentierten Künstlerin Djamal Djumabaeva, deren Weltsicht offensichtlich mit der von Chabias im Einklang steht.
Сергей МАЕВСКИЙ, «Дети Ра», № 5 (43), 2008
Selbst Kennern der russischen Lyrik sind Name und Werk der Dichterin Nina
Chabias (1892–1943) wenig vertraut. In Russland erschien erst 1997 eine
repräsentative Sammlung ihrer Gedichte. Als Nina Komarova in einer Moskauer
Adelsfamilie geboren, absolvierte sie das Smol’nyj-Institut, eine höhere
Bildungseinrichtung für adlige Töchter, war während der Bürgerkriegsjahre
1918/19 in Sibirien und tauchte 1920 wieder in Moskau auf, wo sie als Nina
Chabias in literarischen Kreisen auftrat. Mit ihren vor Erotik knisternden
Versen handelte sie
sich den Spitznamen „Gräfin Pochabias“ (Schamlos) ein. Sie heiratete mehrere
Male und lebte mit dem Imaginisten Ivan Gruzinov in wilder Ehe. Er veröffentlichte
ohne Genehmigung der Zensur 1922 im Selbstverlag ihre Versette. Beide kamen
für zwei Monate ins Gefängnis, weil ihre Verse als obszön und pornografisch
galten. 1924 und 1928 erneut kurzfristig inhaftiert, wurde Nina Chabias
1937 wegen „antisowjetischer Agitation“ in ein Arbeitslager gesteckt. Die
radikalen Futuristen David Burljuk und Aleksej Kručёnych waren die Lehrer
der Dichterin, die Verfahren der Futuristen und Imaginisten aufgreift, einerseits
die innovative, häufig
transrationale Wortschöpfung durch Zusammenfügen, Auseinanderreißen und
Verschieben,
andererseits das Aneinanderreihen von Bildern unter Verletzung der syntaktischen
Norm. Viele Gedichte des Bandes Guttapercha des gänsehäutigen Gehänges zeigen,
dass die Chabias Profanes und Religiöses, Körperliches und Geistiges ohne
jede Hemmschwelle verbindet. Sie entdeckt die sexuellen Erregungsmomente
der Religion und den religiösen Charakter der Sexualität. Sie bietet ihren
Körper mit allen Formen und Falten dar – Rücken und Schultern, Haut und
Haar, die Knie, die Finger, die Brüste, die Hüften, den Mund und die Scham:
An mir sind alle Stellen geküsst Gerupft die Kugel des Bauchs Wie beim Rennen
die Zunge herausspringen über Hürden Zähne Oh huldigt mir, Volkskommissare,
Priester und Schimpanse Ich bin die ruhmreichste aller Poetessinnen Schafrana
Chebeb Chabias. Durch die erotisierte Körpersprache inszeniert sie sich
als eine Frau, in der sich sexuelle Lust und Gottesliebe, Sündhaftigkeit
und Reinheit der Seele verbinden, die ihre Jugend genießt und vor dem Altern
nicht zurückschreckt. Henrike Schmidt, Herausgeberin und Übersetzerin der
ersten deutschsprachigen Chabias-Ausgabe, hat es verstanden, die verschobene
und agrammatikalische Syntax sowie die klangliche Gestaltung durch Alliterationen
und Assonanzen, die für diese Lyrik maßgeblich sind, stimmig wiederzugeben.
Karlheinz Kasper, Osteuropa, 1-2008
Die Lyrik der russischen Avantgardedichterin Nina Chabias lässt eine Welt im Taumel sinnlichen Empfindens und Erleidens entstehen, in der Lust und Schmerz, Erotik und Glaube miteinander verschmelzen ... Nina Chabias’ „Gesamtwerk“, das durch Guttapercha des gänsehäutigen Gehänges wohl vollständig zugänglich gemacht worden sein dürfte, ist entsprechend der kurzen Schaffensperiode der Dichterin wenig umfangreich. Im Zentrum ihres Schaffens steht ein ausgeprägtes Interesse für alles Körperliche: selbst in den Gedichten, die nicht direkt dem Eros gewidmet sind, sticht die Faszination der Chabias für den weiblichen Körper im Brennpunkt sinnlichen Erlebens und Erleidens ins Auge. Körperbilder und körperliches Erleben strukturieren sowohl religiöse, wie alltägliche Themen, Gedichte mit biblischen Reminiszenzen, wie solche, die von herrenlosen Hunden oder trächtigen Katzen handeln. Zwar sind, mit Ausnahme der durch die Kubo-Futuristen hochgeschätzten Verschiebungen, die sprachlichen Mittel und die Symbolik, die die Gedichte gestalten, eher traditionell (Nina Chabias arbeitet vor allem mit die Inkongruenz ihrer Grammatik kontrastierenden Alliterationen und Assonanzen), die Schonungslosigkeit jedoch, mit der die Dichterin eine vor geschundenen Körpern geradezu wuchernde Welt entblößt, entspricht, ebenso wie ihre provokante Lebenshaltung, den revolutionären Ansprüchen jener Generation von Schriftstellern, die zu Beginn der 20er Jahre das Gesicht der russischen Avantgarde prägten. Anne Krier, novinki 27. 2. 2008
Имя Нины Хабиас до недавнего времени было, пожалуй, самым загадочным и одновременно скандальным именем в русской литературе первой половины XX века.
Скандальная слава поэтессы в литературных кругах 20-х годов, затем полное забвение и лишь отголоски этой славы впоследствии в мемуарной литературе. Наконец попытка восстановления имени и текстов в 90-е годы, увенчанная блистательным исследованием биографии поэтессы, проведенным В. Нехотиным и опубликованным полностью в 1997 году в книге Нины Оболенской (Хабиас) «Собрание стихотворений» (Москва: Совпадение, 1997, издание подготовили А. Ю. Галушкин и В. В. Нехотин). Это исследование можно назвать на самом деле расследованием. В результате которого мы узнали, наконец, подлинную историю Нины Петровны Комаровой (таково настоящее имя Хабиас), происходившей из выдающегося российского семейства, к которому принадлежали видные военные, писательница Ольга Форш, философ и богослов Павел Флоренский, ученый, президент Академии наук СССР В. Л. Комаров...
Поскольку поэтесса в том числе дружила и с заумью, а своими учителями считала
Давида Бурлюка и Алексея Кручёных, книга, разумеется, попала в поле зрения
Академии Зауми. Президент АЗ Сергей Бирюков предложил немецкой славистке
и члену Академии Энрике Шмидт перевести книгу на немецкий. Переводчица и
исследовательница работала несколько лет. И вот книга вышла в лейпцигском
издательстве «Ерата» на русском и немецком, предисловие написал Сергей Бирюков,
а Энрике Шмидт снабдила свои переводы тщательными комментариями и послесловием.
Стихи Хабиас непросты для восприятия. И очень трудны для перевода. Тем более
значительным и интересным представляется опыт переводчицы, которая увлеклась
творчеством Хабиас настолько, что смогла вжиться в ее творчество и найти
возможности немецкого языка для передачи поэтического акта русской поэтессы.
В этом Энрике Шмидт помогло и ее глубокое знание русского авангарда, исследованием
которого она плодотворно занимается. Безусловны также личное поэтическое
одушевление переводчицы и высоко развитая восприимчивость к авангардному
письму.
Приятно отметить, что ряд русского поэтического авангарда на немецком, представленный
именами Елены Гуро, Велимира Хлебникова, Владимира Маяковского, Давида Бурлюка,
Алексея Кручёных, Василия Каменского, Даниила Хармса, пополнится именем
Хабиас.
Следует добавить, что книга прекрасно проиллюстрирована петербургской художницей Джамаль Джумабаевой. В марте книга была представлена на знаменитой Лейпцигской книжной ярмарке, а выставка графики Джамаль прошла в галерее «Ерата». Таким образом стихи Хабиас, которым долгое время отказывали в культурности, называя Хабиас «поэтессой для московских извозчиков», вызвали к жизни целую серию культурных действий!
