Zurück zur Autoren-Übersicht

 


Viktor Kalinke

geb. 1970 in Jena, Studium der Psychologie und Mathematik in Dresden, Leipzig und Beijing, 1995 Kreativitäts-Preis der Hans-Sauer-Stiftung, 1998 Mitbegründer der Edition + Galerie Erata, 2001 Promotion, seit 2007 Professur, lebt als Psychologe, Autor und Verleger in Leipzig

Veröffentlichungen (Auswahl)

Prosa

Asche. Die Antworten des Tronje Wagenbrant. Roman, Buchlabor Dresden 1996 und LLV 2001

Freiheit macht Arbeit. Literarische Porträts zum Rechtsradikalismus in Ostdeutschland, zu Fotografien von Bertram Kober, LLV 2001

Empörte Flut. Mit Tuschezeichnungen von Christiane Werner, LLV 2009

Lyrik

Indianer im karierten Hemd. Gedichte, LLV 1999 (mit Zeichnungen von Marion Quitz

El Gancho Bravo - Tango-Etüden, LLV 2000 (mit Illustrationen von Caroline Thiele)

liberi terrestris. Gedichte, LLV (mit Fotographien von Katja Langer)

Die Kunst: den Ort zu finden, LLV 2000 (mit Zeichnungen von Britta Schulze)

Herbst auf Sumatra. Poetischer Dialog mit Miloš Crnjanski, LLV (mit Holzschnitten von Inka Grebner)

Wie ich Amerika entdeckte, Gedichte und Kurzprosa, LLV 2004 (mit Zeichnungen von Marion Quitz)

Essay

Studien zu Laozi, Daodejing - Bd. 2: Eine Erkundung seines Deutungsspektrums, LLV 2000

Studien zu Laozi, Daodejing - Bd. 3: Nichtstun als Handlungsmaxime, LLV 2011

Gottes Fleisch. Erster Essay: Die Erfindung der Reinheit, LLV 2005

Gottes Fleisch. Zweiter Essay: Die Verkettung von Ehe- und Sexualstrafrecht, LLV 2007

Poietische Kunst, in: „Orpheus versammelt die Geister. Stimmen aus der Mitte Europas“, Sonderpublikation von Ostragehege, Dresden 2006

Meine Poetik, in: Hermetisch offen, hg. von Ron Winkler, Buchverlag Berlin 2008

Film

DichterSehen, Dok, eratafilm 2007

Glockenläuten und Hupen. Spiritualität auf der Straße, Dok, eratafilm 2011

Übersetzungen / Nachdichtungen

Laozi, Daodejing, LLV 2011 - Taschenbuchausgabe

Studien zu Laozi, Daodejing - Bd. 1: Eine Wiedergabe seines Deutungsspektrums, zweisprachig, LLV 2000

Große Hymne an die Erde - 63 Verse des Atharvasamhita, bearbeitet nach der Übersetzung von Klaus Mylius, LLV 2001

Juan de la Cruz, Dunkle Nacht, mit dem Essay „Das christliche Residuum“, LLV 2002

Gintaras Grajauskas, Knochenflöte - Gedichte: litauisch - deutsch, LLV 2003 (mit Mala Vikaite)

Laurynas Katkus, Tauchstunden - Gedichte: litauisch - deutsch, LLV 2003 (mit Mala Vikaite)

Sergej Birjukov, Jaja Dada, Gedichte: russisch - deutsch, LLV 2004 (mit Mala Vikaite, Henrike Schmidt, Bernhard Sames u.a.)

Miloš Crnjanski, Ithaka. Aus dem Serbischen nach Vorlagen von Stevan Tontić & Cornelia Marks, LLV 2008

Hörbücher

Große Hymne an die Erde - 63 Verse des Atharvasamhita, ERATA 2002

Ithaka- Hörbuch, gesprochen von Miloš Crnjanski und Viktor Kalinke, ERATA 2009

Beiträge in Anthologien

Bewahrte Texte (Reihe VerSuche der Autorengemeinschaft Ostthüringen 1990)
Monolog des Sandes (Schriftsteller Assoziation Dresden 1992)
„Spinne“ (Buchlabor Dresden 1991, 1992, 1993)
Warteräume im Klee (Schriftsteller Assoziation Dresden 1994)
"Dresden", in: Der heimliche Grund. 69 Stimmen aus Sachsen (Kiepenheuer Leipzig 1996)
"Blickgespräch", in: Bergschäden (Styx96 Augsburg 1998)
Psibrjonzne Kamjenje - ins Niedersorbische übersetzt von I. Hustetowa (Serbska Pratyja 1999)
Erst die Linke, dann die Rechte“ (Leipzig 2000)
„Fabeln und Phantasien, bildhaft codiert - Über Marion Quitz“, Ostragehege 33 - 1/2004
"Flüsse und Pflanzen - Wie lange dienst du mir / Natur / zum Gleichnis", in: Brandsanierung 3, 2005
"Frankfurt", in: Jahrbuch der Lyrik 2004/05 (C.H. Beck München)
"Chemnitz gebucht", in: Jahrbuch der Lyrik 2006/07 (S. Fischer Frankfurt)
Djeti Ra. Journal für Literatur und Kunst (Moskau 2005)
DIAPASON. anthologie russischer und deutscher gegenwartslyrik, Universität Natalja Nesterova (Moskau 2005)
Augsburg: Ausgeburt, in: "Aus Brunnen-Mündern", Sonderheft Ostragehege, poln-dt., 2006
Inskriptionen No. 1, denkporno, Leipzig 2008
Inskriptionen No. 2, paranoia, pink, Leipzig 2009

Inskriptionen No. 3: mondgefleckt, elektrisch
, Leipzig 2010
Meine Poetik, in: Hermetisch offen, hg. von Ron Winkler, Berlin 2008
"Die sarmatischen Jahreszeiten", in: "Es gibt eine andere Welt", hg. von Andreas Altmann & Axel Helbig, poetenladen Leipzig, 2010

Beiträge in Künstlerbüchern und Ausstellungskatalogen

Marion Quitz, Echo der Stille. Skizzen aus Ägypten, zweisprachig engl.-dt., Leipzig 2000
Thomas Baumhekel, Zerbrochenes Holz, dreisprachig dt.-engl.-chin., Leipzig 2000
Nina Mordowina (Hg.), Neue russische Kunst, Leipzig 2001,
Thomas Wolf, Nachbarschaften. Im kleinen Kreis. Sektor 1, Leipzig 2001
Bertam Kober: Freiheit macht Arbeit. Fotografien und literarische Porträts zum Rechtsradikalismus in Ostdeutschland, Leipzig 2001
Michael Triegel, Radierungen zu „Dunkle Nacht“ von Juan de la Cruz, Leipzig 2002
Dresden, 1. Mai 1989 - Bilder eines unbekannten Fotografen, Leipzig 2009
Im Schatten der Kolossalfiguren, Leipzig 2009

Stimmen zum Werk

Zu "Empörte Flut"

Liebe in Zeiten der Weltuntergänge: Empörte Flut
Ralf Julke, L-IZ vom 13.12.2009

Viktor Kalinke ist ein Hans Dampf in vielen Gassen. Studierter Psychologe (als der er auch arbeitet) und Mathematiker, Verleger und Mitbegründer der Edition Erata, aus der der Leipziger Literaturverlag hervorging, und selbst Autor, Übersetzer und Herausgeber. Neuester Streich: eine gewaltige Flut. Sie verschlingt ganz Westeuropa und macht mitten in der Berlin an der ehemaligen Zonengrenze halt. Soviel zur Katastrophe. Auch wenn es der Klappentext verspricht: Mehr Katastrophe gibt es in Kalinkes neuem Roman nicht. 1996 hat der 1970 in Jena Geborene schon einmal einen Roman veröffentlicht: "Asche. Die Antworten des Tronje Wagenbrant". Seither etliche Lyrikbände und Essays.

Illustriert hat das neue Buch Christiane Werner mit Tuschezeichnungen, die irgendwie an chinesische Mal- und Propagandakunst erinnern. China kommt ganz am Rande auch drin vor. Muss ja, wenn der einstige Ostblock von den Fluten verschont bleibt. Aber eine schlimme Dystopie wird's trotzdem nicht, keine Beschreibung eines finsteren Reiches stalinscher oder maoesquer Färbung. Auch wenn es fast dahin tendieren könnte. Aber da und dort gibt es den kleinen Fingerzeig auf ein heutiges Land, das keineswegs im Verdacht steht, noch irgendwie sozialistisch zu sein – dafür sehr putinisch und irgendwie auch sehr gogolesque. Oder fühlt man sich eher an Bulgakows Meister und Margarita erinnert? Ein wenig davon spukt in Kalinkes beiden Hauptgestalten Herr Klopsig und Frau Edelsüß, beide aus uralten Adelsgeschlechtern entsprungen. Klopsigs Vater ist irgendwie auch noch der letzte Tyrann des Fleckens Erde, der da übrig blieb, als die Weltflut bis in die märkischen Sande vorstieß. Das nutzt Klopsig, der sich vom kleinen Bahnangestellten zum Verkäufer märkischer Weine mausert, gar nichts.

Denn nunmehr herrscht ein seltsames Gebilde: eine liberale Diktatur, die ein wenig an die undurchschaubaren Herrschaftsgebilde erinnert, wie sie bei Bulgakow erscheinen oder bei Kafka. Das Ganze nur kräftig vermengt mit einer Menge Ilf und Petrow – Hexen tauchen auf, singende Schwanenjungfrauen, allerlei Psychiater, von denen einer ein streng gescheitelter ehemaliger Geheimdienstler ist, ein Kinder- und Frauenmörder geht um und ein winziger Verdacht genügt, und die Einwohner der Kolonie des heiligen putinschen Reiches landen mal im Gefängnis, mal in einem Lager, mal gleich in der Klappsmühle, wo eigenartige Doktoren ihr Unwesen treiben. Und nur eines ist ziemlich klar: Mit rechten Dingen geht in dem Land gar nichts zu, finstere Gestalten machen seltsame Karrieren, verwandeln sich immer aufs Neue.

Und mittendrin Klopsig und Edelsüß, eigentlich ein Pärchen im nimmermüden Kampf um Erfüllung, Liebe, Partnerschaft. Sie trennen sich, finden sich wieder, wechseln permanent die Rollen und öfter auch die Partner, weil sie sich die freie Liebe geschworen haben. Doch irgendwie kommt gerade Klopsig mit dieser Rolle so gar nicht zurecht. Seine Frau Edelsüß ist keine Margarita, sondern ein recht unverbindliches Frauenzimmer mit geistigen Ambitionen. Und da das alles immerfort ineinander spielt, die Katastrophe des einen Kapitels im nächsten schon wieder in ein nächstes Abenteuer mündet, darf der Leser sicher sein, dass er ziemlich bald die Fäden verliert und durch die Erlebnisse der Beiden fährt wie durch eine Achterbahn. Eine echte Burlesque, die die möglichen Gefährdungen, zum ernsthaften Roman zu werden, fleißig umschifft.

Nein: Es kommt nicht zur Rettung des Landes vor den unberechenbaren Herrschern von liberalen Gnaden. Nein, es kommt auch nicht zum Untergang des Restes der sandigen Exklave – auch wenn die Wellen augenscheinlich permanent an den Fundamenten nagen. Es kommt auch nicht zum großen romantischen Showdown – dazu sind Klopsig und Edelsüß einfach zu unromantisch, zu abgeklärt, zu geschäftig. Aber das ist auch der eigentliche Faden, der sich durch alle 10 Kapitel zieht: Diese seltsame Paar-Beziehung, die so modern scheint – und so kalt und tatsächlich unverbindlich. Was das Ganze zu einer Negativ-Erzählung macht: Die beiden sind alleweil froh und fröhlich, obwohl sie immerfort verletzt und verlassen werden – und sich auch selbst verletzen. Die verrückt gewordene Welt spiegelt sich in den eher belanglos gewordenen Beziehungen, die sich auf nichts mehr beziehen. Ein Spiegel für eine Welt, die auch ohne große Flut an ähnlichen Beziehungslosigkeiten leidet. Aus ganz ähnlichen Gründen. Das gibt jede Menge Arbeit für jede Menge Psychiater. Nur die Liebe, dieses Spukgespenst aus romantischen Zeiten, geht irgendwie verschütt. Als hätte es einer verbummelt unterwegs. "Jetzt können wir endlich unsere geistige Freundschaft ausleben", resümiert Frau Edelsüß. Das ist die Stelle, an der man merkt, wie Klopsig endgültig das Herz in die Hose rutscht. Aber da ist das Buch auch zu Ende.

"... mehr als amüsant und humorvoll ... da geht was ab ... immer wieder Staunen: Landunterflüchtlinge ... Poesie ist die Religion der Atheisten ... Die katholische Kirche als größte homophile Kommune ... Alles in einheitlichem Sprachfluss und imaginär und psychologisch durchgeistigt ... und diese Landsprünge ... " Reinhard Bernhof

Zur Daodejing-Ausgabe

"Es ist eine große Arbeit, die Sie geleistet haben. Ihr Fleiß und Ihre Beharrlichkeit verdienen besondere Anerkennung. Der Nutzen Ihrer Publikation steht außer Frage. Ich wünsche den Bänden, daß sie gut angenommen werden." Prof. Dr. Ralf Moritz (Universität Leipzig, Ostasiatisches Institut)

"Mit großem Interesse studiere ich Ihre Ausgabe vom Daodejing, die interessanteste Ausgabe, die mir bis jetzt begegnet ist." Ulrich Hasler (Trogen, Schweiz)

"Die Daodejing-Ausgabe von Herrn Kalinke ist wirklich sehr nützlich!" Christian Meyer (Universität Göttingen, Religionswissenschaft)

"Ein herrliches Buch, wenn man sich mit dem Daodejing vertieft auseinandersetzen will. Die einzelnen Kapitel werden im Orginal und in einer deutschen Übersetzung dargestellt - mit dem Zeichenlexikon kann das Bedeutungsspektrum der einzelnen chinesischen Zeichen erschließen." Taoismus-Board

"Ich danke Ihnen sehr für die beiden so hervorragenden Bände zu Laozi. Ich habe darin bereits etwas lesen können, bin begeistert, v.a. aufgrund der Authetizität des Wiedergegebenen. Nach meinen bescheideneren Kenntnissen in Bezug auf Laozi vermute ich, dass Sie der Erste sind, der den alten Chinesen für den deutschen Leser so gründlich aufgearbeitet hat." Peter Gehrisch, Dresden

"Hochachtung! Profund, ergiebig, einer der wenigen echten Beiträge, die weiterführen!" Dr. Hilmar Klaus, Aachen

"Neben der deutschen Übersetzung werden auch die chinesischen Schriftzeichen des verwendeten Originaltextes wiedergegeben, was diese Ausgabe zur Ausnahme unter den deutschen Übersetzungen macht. Im zweiten Band geht der Verfasser detailliert auf die Bedeutung einzelner chinesischer Schriftzeichen ein. Auch dies wird von anderen deutschen Ausgaben nicht geboten und bietet besonders demjenigen neue Möglichkeit, der sich über das normale Maß hinaus mit dem Text auseinandersetzen will." Matthias Claus, Das klassische China, Weinheim

"Im Jahr 2011 erschien nun der dritte und abschließende Band von Viktor Kalinke Nichtstun als Handlungsmaxime mit sehr detaillierten und nuancierten Ausführungen zum Inhalt und Wesen des Daodejings. Eine aus meiner Sicht sehr umfassende und gelungene Zusammenfassung zum aktuellen Forschungsstand sowie eine ausgesprochen einfühlsame und beeindruckende Darlegung der Weltsicht vor dem philosophisch-menschlichen Hintergrund des Daodejing. Ein Buch, das man gelesen haben sollte!" Matthias Claus, Das klassische China

Nichtstun als Handlungsmaxime: Viktor Kalinke und die Faszination des Daodejing
Ralf Julke, L-IZ vom 05.07.2011

Studiert hat Viktor Kalinke eigentlich Psychologie und Mathematik. Aber was er da seit 2000 in nunmehr drei Bänden vorgelegt hat, wäre eigentlich der Stoff für eine handfeste Promotion in Philosophie. Alle drei Bände hat der heute 40-Jährige im Leipziger Literaturverlag veröffentlicht, den er 1998 als Edition Erata in Leipzig gegründet hat.

Im ersten Band bot er 2000 nicht nur eine eigene Übersetzung des chinesischen Klassikers - sondern ergänzte sie auch schon um ein Deutungsspektrum. Wer etwa bei Amazon nach dem Band sucht, findet ihn unter über 800 Treffern zum Daodejing auf Seite 3. Der deutsche Markt ist eigentlich gesättigt mit Übersetzungen der über 2.000 Jahre alten Schrift. Schon im Band 2, der ebenfalls 2000 erschien, beschäftigte sich Kalinke mit der Erkundung des Deutungsmaterials.

Jetzt hat er Band 3 folgen lassen, der eigentlich für alle, die das Daodejing noch nicht kennen, der erste Band sein müsste. Denn hier tut er das, was die meisten Übersetzungen des philosophischen Werkes nicht bieten: Er ordnet es ein in einen historischen, politischen und literarischen Kontext. Was gerade bei diesem Buch bitter nötig ist, denn um die Entstehung der Spruch-Sammlung ranken sich Legenden, Mutmaßungen und europäische Interpretationen, die seinen Intentionen oft zuwiderlaufen. Die größte Legende dabei ist der vermeintliche Autor selbst: Laozi, der Große Meister, den es wahrscheinlich so nie gegeben hat. Aber Menschen sind so - sie brauchen Geschichten, schöne Märchen.

Erst recht, wenn das Buch, das dem vermeintlichen Laozi (Lao Tse, Laudse) zugeschrieben wird, selbst kein Märchenbuch ist, sondern hochkomplex, mehrdeutig, auf irritierende Weise widersprüchlich. Und wenn dahinter auch noch eine Denkhaltung steht, die dem europäischen Logos regelrecht widerspricht. Hier erklärt niemand ein "höheres Ziel", hier interpretiert niemand einen "Sinn" in die Welt oder gar einen "gesetzmäßigen Aufstieg" zu immer höheren Gesellschaftsformen. Hier gibt es auch kein höheres Wesen.

Und trotzdem hat das Daodejing über Jahrhunderte die chinesische Gesellschaft geprägt, war Ratgeber für Kaiser und Beamte, für Kriegsherren und Mönche. Und seit 200 Jahren fasziniert es die Europäer, auch wenn sie - wie bei fast allem, was sie in fremden Landen vorfanden - ihre Weltsicht drüberstülpten und im Dao mal den Weltgeist, mal Gott, mal gar den Geist an sich, den großen Logos sahen.

Andere wieder stießen sich am Opportunismus vieler Sprüche. Und negierten dabei, dass dieser "Opportunismus" möglicherweise der Wesenskern des Buches ist, das sehr wahrscheinlich im Umkreis chinesischer Herrscherhäuser entstand, geschrieben von Gelehrten, die ihrem Mäzen ein händelbares Regelwerk für gutes Regieren in die Hand geben wollten. Aber da die Regierenden auch vor 2.200 Jahren wechseln konnten, war ein guter Rat nicht unbedingt konkret.- Und er bezog die schlichte Tatsache mit ein, dass sich die Dinge ändern konnten. Und dass das Unwahrscheinliche im Leben der Menschen (und der kaiserlichen Berater) eigentlich das Wahrscheinlichste ist.

Auch und erst recht im China irgendwann um 200 vor unserer Zeitrechnung, als nicht nur die Herrscher und die Reiche wechselten, sondern auch Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen im Reich der Mitte das Schicksal ganzer Völker in kurzer Frist verändern konnten. Doch schon damals kannten die Chinesen keinen hohen, allwaltenden Gott, den sie dafür verantwortlich machten. Die Idee des Dao war möglicherweise schon weit vor Niederschrift des Daodejing lebendig. Es ist schwer zu übersetzen, weil es mehr meint als nur Welt oder Natur oder All, denn es umfasst auch die Veränderungen. Und es gibt das Dao des Kosmos und das Dao des Menschen, das Dao des Makrokosmos und das des Mikrokosmos. Und beide beeinflussen einander - und der einzelne Mensch kann, wenn er Erfolg haben will, gegen keines von beiden an. Er kann und sollte nur versuchen, mit seinem Dao im Einklang zu leben.

Das Höchstmögliche, das erreicht werden kann: Mit sich und der Welt in Einklang zu leben. - Natürlich ist das einer der vielen Ansatzpunkte, die auch im Daoismus missbrauchbar sind. "Es gibt keine weltanschauliche Lehre, die sich nicht missbrauchen lässt", schreibt Kalinke. Er schreibt noch viel mehr dazu. Denn die Rezeptionsgeschichte des Daodejing ähnelt so mancher Rezeptionsgeschichte europäischer Philosophien. Es bildeten sich Schulen und Parteien. Und manche gingen auch so weit, das absolute Kriegs- und Gewaltverbot im Daodejing zu missachten. Selbst als Lehre der Kriegskunst wurde es immer wieder ausgelegt. Neben seiner nachweisbar langen Wirkung als Lehre der Regierungskunst, die sich tatsächlich in dem Satz fassen lässt, der sich im von Kalinke gewählten Buchtitel widerspiegelt: "Handeln durch Nichtstun."

Auch so ein irritierender Spruch, den Kalinke für Europäer erst einmal (um-)interpretieren muss. Denn Nichtstun bedeutet im Daodejing nicht Müßiggang und Faulenzerei. Eher das Gegenteil: Ein Verzicht auf Handlungen, deren Folgen unüberschaubar, deren Risiken nicht kalkulierbar sind, ein Abwarten des richtigen Moments. Was für den Handelnden auch bedeutet: Er ist wachsam, ist stets bereit, Veränderungen im großen Dao wahrzunehmen und dann, wenn Handeln die gewünschte Entwicklung bestärkt, zu reagieren.

Klar: Das ist auch ein ideales Rezept für Feldherren. Und chinesische Feldherren haben es in den zurückliegenden 2.000 Jahren oft und erfolgreich angewandt. Nicht der gewinnt die Schlacht, der mit aller Macht blind drauflos stürmt, sondern der, der den richtigen Moment und den richtigen Ort wählt.

Und augenscheinlich ist es auch so, dass jene chinesischen Dynastien am längsten Bestand hatten, die ganz im Geiste des Daodejing regiert wurden - zurückhaltend. "'Handeln durch Nichthandeln', wie es im Daodejing konzipiert wird, ist zwar an Aktivität geknüpft, doch sie ist kein Hetzen und Jagen", schreibt Viktor Kalinke. "Vielmehr zeichnet sie sich aus durch: (1) Respekt vor den Dingen und Menschen sowie der ihnen innewohnenden Natur, (...) (4) Nutzung der Gelegenheiten, um durch minimale Interventionen den natürlichen Entwicklungsverlauf zu lenken, ohne ihn zu stören."

Vieles im Daodejing mutet im heutigen Sinne wie eine Philosophie der Nachhaltigkeit an. Sie verlegt auch die Verantwortung der Handelnden nicht in ein mystisches Jenseits oder zu irgendwelchen göttlichen Mächten, genauso wenig, wie das Daodejing eine Erlösung kennt oder ein Prinzip wie das christliche von Gut und Böse, das ja nur Sinn macht mit einer Ethik der Erlösung.

Was dem Einzelnen ja nichts abnimmt. Ein glückliches und erfülltes Leben führt man ja erst dann, wenn man im Einklang mit dem eigenen Dao und dem großen Dao der Welt lebt. "Prinzipien linearisieren den Menschen", schreibt Kalinke. "Die Komplexität der menschlichen Natur, der konkreten individuellen Natur des einzelnen Menschen, werden sie nicht gerecht." Sehr kritisch setzt er sich mit dem europäischen Glauben an die Prinzipien der französischen Revolution "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" auseinander. - "Sobald sie errungen ist, ist die europäische Freiheit eine Formalie, die im Vierjahreszyklus wahrgenommen werden darf ..." Zwischendurch darf dann die Extremismusklausel unterschrieben werden und demonstriert werden mit polizeilicher Überwachung des Funkverkehrs.

Es ist schon erstaunlich, zu welchen Gedanken so ein 2.000 Jahre altes chinesisches Buch anregt. Aber da Kalinke nicht nur das Daodejing und alle einschlägigen (chinesischen) Interpretatoren und Kommentatoren kennt, weiß er, wo das steht, was er sehr ausführlich und sehr lebendig erläutert. Und man ahnt, dass eine Menge dran sein könnte an seiner Empfehlung, das "Nichtstun" als Handlungsmaxime zu wählen. Und was man damit erreichen könnte, ohne dass man Staatskassen plündert und eine Welt in den Kollaps treiben muss.

 

Zur Lyrik

"Mir gefällt der einfache, deutliche Ton, das Überlegte, das nie in Überlegenheit verfällt, sich aber seine Souveränität zusprechen darf. Vor allem die Auseinandersetzung mit wechselseitigen Blicken, auch mit der Photographie, liegt mir sehr." Christophe Fricker, USA

"Ihre Phantasien sind wirklich bezaubernd, sie haben meiner Bildwelt Anstöße gegeben, wofür ich Ihnen sehr dankbar bin..." Marion Quitz, Leipzig

"Originelle Stoffe. Mir gefällt der ungestockte Atem der Sprache des Autors. Man merkt auch, daß er sich im fortwährenden Schreibfluß bewegt." Grit Dias de Arce, Berlin

"Da entfaltet sich ein ganz eigener Rhythmus und unerhörte Bilder, wie die nicht aufgegessene Ente, der die französischen Soldaten nachtrauern. ich mag die Erscheinungen von Stadt und Natur, die weder im Konkreten noch im Allgemeinen in bekannte Fallen geraten; Pathos oder Plagianismus oder Gefühligkeit. Ach ja, die „Krähen“ gefallen mir. Ich habe ein Faible für Symbole, besonders Vögel, das hin und wieder ins Irrationale kippt.“
Ingrid Maria Sauer zu „Indianer im karierten Hemd“

"So stellt man fest, daß bei der jüngsten Generation das größte Maß an Epigonalität anzutreffen ist, denn hier tönt der Grünbein-Stil und guckt die Kling-Worttechnik fast hinter jedem Vers hervor. Positiv hebt sich davon aber das flotte und witzige Frankfurt-Porträt von Viktor Kalinke ab." Jürgen Egyptien, literaturkritik.de

"In Kalinkes poetischen Diskurs jagt eine unverhoffte Wendung das andere überraschende Bild, stets kommt es anders, als erwartet, sehr erfrischend und eindringlich." Franz Hodjak, 2006

"Erstaunlich, wie tief Kalinke in die Geschichte Mexikos eingetaucht ist und diese in eine poetische Sprache verwandelt hat, wortstark, metaphorisch, manchmal auch bewußt lapidar, um die Sache etwas aufzulockern ... Ich lese gerade das Buch zum zweiten Mal, weil ich weiß, daß mir bestimmt viel durch die Lappen gegangen ist beim ersten Lesen. Jetzt lese ich alles um so intensiver und denke natürlich auch dabei: Wie mag es bei Nerudas Gesang gewesen sein? Finnländischer Bahnhof, Karibik haben mich besonders beeindruckt. Die vierfache Heimkehr des Christoph C. habe ich wieder aufgeschlagen und wußte manche Sachen gar nicht, obgleich ich dachte, alles über C. zu wissen. So kann Lyrik auch sein - ohne erst einen Historienschinken zu bemühen... Da weiß ich Bescheid über das Credo des V. Kalinke: Unaufdringlich - und doch sozial engagiert." Reinhard Bernhof, zu "Wie ich Amerika entdeckte", 31. 5. 2006

"Имена некоторых немецких поэтов для русского читателя совсем неизвестны. К примеру это – Виктор Калинке. Он не только поэт, но и прозаик, и переводчик с русского и литовского. Его поэтическая манера экспрессивна, лексика сложна и остроумна и осмысляет в неожиданных ракурсах экзистенциальные вопросы бытия, не умаляя человека, а как бы возвышая его над миром обыденности."

(„Einige der deutschen Dichter sind dem russischen Leser noch unbekannt. Zum Beispiel Viktor Kalinke. Er schreibt nicht nur Gedichte, sondern auch Prosa und hat aus dem Russischen und Litauischen übersetzt. Seine expressive Poetik kennzeichnet eine komplizierte, feinsinnige Lexik, deren ungewöhnliche Verkürzungen um die existenziellen Fragen des Seins kreisen, ohne jedoch den Menschen zu vergessen, der gleichsam über das Alltägliche gesetzt wird.“) Tatjana Graus, in: Topos, Zeitschrift für Philosophie und Literatur, Moskau, 07 / 2005
www.topos.ru/article/3785

El Gancho bravo, der wilde (Bein-)Haken. Schon der Titel in spanischer Sprache suggeriert, dass hier ein Insider schreibt, einer der etwas vom Tango versteht. Der Untertitel Tango-Etüden macht neugierig. Doch auf den Inhalt kommt es an. Es sind kurze Beschreibungen von Stimmungen, Empfindungen, mehr oder weniger alltäglichen Begebenheiten, Episoden beim Tangotanzen, visuellen Ansichten, von denen viele, würde man sie aus dem Kontext herausnehmen, nicht erkennbar etwas mit dem Tango zu tun haben. Aber Tangostimmung kann sich ja bekanntlich in allen möglichen Lebenssituationen einstellen. Etliche Texte sind Frauen gewidmet: Rahel, Ella, Susann, Katja (2 verschiedenen), Kerstin, Marion usw. (oh, la la ...). Das ganze ist nicht schlecht gemacht. Man kann sich die geschilderten Situationen durchaus vorstellen und nachempfinden." Eckart Haerter

"In einer wunderbar samtenen Walpurgisnacht auf Gut Haferkorn saßen die Zuhörer um Viktor Kalinke, dem Lyriker, Reisenden und Liebenden. Vieldeutige Orte und Situationen wurden vorgeführt, skizziert, angestaut und fallen gelassen. Anwesenheit oder Abwesenheit von Liebesbewegungen waren in ihrer Stimmigkeit beschreibend bis bitter. Immer aber in allen Themen war die Suche nach Schönheit, nach Erstarrenkönnen vor dem "Wunder" der Sinne dominierend. So war es auch die Beschreibung einer chinesischen Buchstabenkonstruktion, die im Gespräch faszinierte. Oder die Erfassung Sumatras auf substantivische Telegrammstilart. Oder das Bild vom geöffneten Mund, wann er denn oben und wann er denn unten zu reden habe. Die lakonischen Kalinketräume waren phantasievoll kombiniert, die Erfindung von neuen literarischen Quartetten bis zum Sortiment der Klein- und Selbstverleger und die wohl unerlässlichen Albträume klangen kurzweilig. Die Orte alle zu beschreiben, von denen die Texte und die Reden des Weltbürgers Kalinke berichteten, wäre müßig. Es drehte sich immer wieder alles um die Wirbelsäule, in die man die Hände wie in eine Tastatur eingraben kann, wenn man diesen einen Tanz tanzt. Es war ganz sicher für die Zuhörer: Der Tango war der Ort, an dem sich Viktor Kalinke am leidenschaftlichsten bewegte. Vielleicht gibt es darüber bei Edition Erata demnächst ein neues phantasievolles Buch. Jutta Pillat zur Lesung auf Gut Haferkorn, 2005

Zu "Asche. Die Antworten des Tronje Wagenbrant"

"Text. Erzählung nicht und kein Roman. Die Geschichte eines Erinnerns vielleicht, die um so schwerer wiegt, weil sie Fragen bereithält - Fragen, die den, der wirklich nach Antworten sucht, ein Grübeln bescheren können... Wir erkennen das Taumeln des Einzelnen inmitten der uniformierten Massenbewegung, und die Geschichte hat plötzlich ein Gesicht." Holger Oertel, Dresdner Neueste Nachrichten

"Der Autor schildert in seinem Roman, einer Montage aus fiktiven Tonbandprotokollen, den Weg eines jungen Mannes, der im Versuch, den Armeealltag zu durchbrechen, wahnsinnig wird. Der Held landet in der Psychiatrie, der Bericht wird zur Groteske." Volker Sielaff, DNN

"’asche’ habe ich im übrigen mit vergnügen gelesen - die intensität der traum-wachzustände!” jayne-ann igel

"ASCHE. Die Antworten des Tronje Wagenbrant. Hrsg. von Viktor Kalinke": ein Interview ohne gestellte Fragen, ein Antwortenkarussel, um Fragen beim Leser aufzuwerfen, oder eine Art Selbstgespräch ? Was will dieses Buch darstellen oder nicht darstellen, dessen Untertitel keine hilfreichen Verweise trägt, etwa: Roman? Doch was es auch ist, möglicherweise ein Roman, der autobiographische und fiktive Züge vermischt; an dessen Form überrascht am meisten das Spiel mit der Identität! Erzähler, Autor und Protagonist scheinen keinen Pakt einzugehen. (Auf den Begriff 'Pakt' komme ich der poetologischen Analyse 'Der autobiographische Pakt' wegen von Philippe Lejeune.) Der Autor hält sich völlig zurück - er verbirgt sich hinter der Betitelung "Herausgeber". Und er ist zugleich das Gegenüber, das vom Erzähler angesprochen wird, während Erzähler und Protagonist eine Person zu sein scheinen. Andererseits scheint es einen übergeordneten Erzähler zu geben, oder eine unsichtbare ordnende Hand; jemanden, der allein den Überblick über das Geschehen behält, das in der Tat auf den ersten Blick ein wenig verwirrend wirkt. Formal gesehen existieren im Roman - nennen wir ihn mal so - drei Handlungsebenen: erstens die acht Verkörperungen des Ichleibs bis zur wundersamen Heilung, sprich: zur Behandlung des Ichleibs; zweitens die Ebene der Erinnerungen an die Armeezeit; drittens der Aufenthalt in der Nervenklinik. Das Spiel mit der Identität geht jedoch noch weiter, und genau genommen gibt es noch eine weitere Handlungsebene: die des Märchens. Es tritt zweimal explizit auf, und wird auch als Märchen kenntlich gemacht, (welches Tronje Herrn Kalinke, dem sogenannten Herausgeber und unsichtbar Fragenden zum besseren Verständnis seiner Geschichte überreicht): "Vogel Sing. Ein Märchen über Tronjes Kindheit" und "Das Heidelbeerbuch. Aufzeichnungen aus dem Reich der Leere und des Nichts". Im ersten Märchen wird die Geschichte des kleinen Vogel Sing erzählt, der als einziges buntes Küken in der Familie der Grauvögel verachtet und schließlich aus dem Nest verstoßen wird, sich allein durchschlägt und auf den weisen Alten trifft, einen einsamen, lebenserfahrenen Vogel, der den Mickerling bei sich aufnimmt, ihn großzieht und ihn mit Weisheit ausstattet, bis er alt genug ist, um seine eigene Bahn zu suchen, und er den Alten verläßt, um die Welt zu entdecken; immer wieder kehrt Vogel Sing ins Gebirge Xuwu zurück, so lockend die Ferne auch ist, und so schillernd die bunten Vögel in der Fremde auch sein mögen; Vogel Sing fühlt sich stets als Außenseiter; er muß sich mit der Einsamkeit abfinden, und es gelingt ihm, wie ein Eremit sich von der irdischen Welt zu lösen und allein durch den eigenen Gesang und durch das Fliegen in unerreichbare Höhen einigermaßen frei und unbeschwert zu sein. Die Geschichte der unauffälligen Grauvogelfamilie und des Lebensweges von Vogel Sing wird im zweiten Märchen fortgesetzt: im "Heidelbeerbuch". Gab es im Kindheitsmärchen einen übergeordneten Erzähler, nämlich Tronje, verwirrt im "Heidelbeerbuch" wiederum das Spiel mit der Identität, da der Icherzähler in diesem zweiten Märchen der weise alte Vogel ist, vermutlich längst schon tot, und er plaudert sozusagen aus dem Jenseits aus seinen Erinnerungen an das Land Xuwu, und er beklagt zugleich seine Beobachtung, daß es "in der vergangenen Generation degeneriert" sei. Dieses Land Xuwu jedoch, das macht der Handlungsverlauf der anderen Romanebene, "Verkörperung des Ichleibs", deutlich, ist das Gehirn Tronjes, des Patienten in der Nervenklinik, der sich kopflos wähnt, und der in der "Verkörperung des Ichleibs" phantastische Reisen duchs eigene physische Innere unternimmt. Das "Heidelbeerbuch" gibt nun Aufschluß über die symbolhaften Hintergründe der Grauvogelfamilie: die Graueltern legen ihre Eier vor der gefährlichen Beule ab, (Tronje hat tatsächlich eine Beule), ihre noch bunt gescheckten, wunderschönen Eier, um sie einer Injektion mit "Kugelfischgift" unterziehen zu lassen, nach der sie sich leider grau färben. Mit einer solchen Ergebenheit tun die Graueltern dies, ohne das Geschehen zu hínterfragen, daß kein Zweifel besteht: sie sind manipuliert worden. Ihnen ist eingeredet worden, das Kücken sei nach der Injektion "widerstandsfähiger, gefeit vor Wetterunbilden, stark in Futterkämpfen und bereit, die graue Eintönigkeit des Gehirns vor allen Angriffen zu schützen". Es steht also der Nutzen im Vordergrund, die praktische Vernunft; aber auch nur scheinbar; in Wirklichkeit dienen die Graueltern einer übergeordneten Macht; sind sie Instrumente des Staates; welchen Staates, wird nicht gesagt.

"Ich weiß nur wenig von der Beule und den elektrischen Strömen, die über das Gehirn herrschen", (...) "Man zeigt uns nicht die wirksamen Waffen des Staats", sprach der weise alte Vogel. Es drängt sich die Parallele zur realistischen Handlungsebene im Roman auf, zu den Erinnerungen Tronjes an die Armeezeit, zu der er durch den Staat und die Eltern gezwungen worden ist. "Als die Nacht hereinbrach, stürzten die Grauvögel zu ihren Eiern, die, im Rokokostil aufgereiht, vorm Ausgang der Grotte lagen." heißt es im "Heidelbeerbuch". An einer anderen Stelle des Romans, in den traumatischen Erinnerungen an den Armeedienst, ist von Strafrunden 'im Rokokostil' die Rede: "Als wir beim Exerzeirtraining anstelle des befohlenen 'Spaniens Himmel' das Lied 'Schneeflöckchen, Weißröckchen' anstimmten, schüchterte unser Gelächter Knoll ein und er verzichtete auf die Strafrunden im Rokokostil."
Und so läßt das Romangeflecht die unterschiedlichen Handlungsabläufe ineinander übergreifen, solange, bis sie, am Ende des Romans, zu einer einzigen Handlungsebene verschmolzen sind. Dann hört auch das Spiel mit der Identität auf. Es gibt Tronje, oder es gibt ihn nicht mehr. Was ist von ihm übriggeblieben? Was ist aus dem sensiblen, begabten ´Jungen geworden, der schon unter den Zwängen des Wehrlagers leidet, als bitteren Vorgeschmack auf die spätere Armeezeit? Was aus dem jungen Verliebten, der innerlich zerrissen, ja, hin- und hergerissen zu sein scheint zwischen Elke und Monique, die wohl beide unterschiedliche Sehnsüchte in ihm verkörpern? Wohin ist der rebellische Geist von Tronje entschwunden, und wohin der feine Sinn, der Hang zum Philosophieren, die literarische Neigung? In den Roman eingearbeitet sind etliche Gedichte Tronjes, die von der Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbst zeugen, auch vom Weltschmerz eines spätpubertären Jungen und zugleich eines weisen Alten. Aufmerksam beobachtet Tronje seine Umgebung, und er durchschaut mehr als seine Alters- und Leidensgenossen, was hinter der Machtfassade des Staates, durch die Armee-Hierarchie verkörpert, vor sich geht. Er leidet unter der Ausweglosigkeit seiner Situation und unter der Fremdbestimmtheit, die sich erst recht fortsetzt, als er sich ins Verrücktsein flüchtet. Zwar rettet ihn der Aufenthalt in der Nervenklinik vor der Armee, aber er bringt neuen seelischen und körperlichen Schmerz mit sich, und schließlich eine riskante Operation an der Beule, bei der der behandelnde Professor, der am liebsten die ganze Menschheit von ihrer Lieblosigkeit erlösen will, experimentiert, um später den Nobelpreis für Medizin zu erlangen.( Hier wird die Romanhandlung ins Fiktive gesteigert und ins Phantastische überhöht.)
Tronje wird zerstört. Mit Faustan ruhiggestellt, scheinbar und auf wundersame Weise durch den Professor geheilt und aus der Nervenklinik entlassen, kehrt er ins "normale Leben" zurück und versucht wirklich so zu leben wie alle. Nach außen hin wirkt es so, als gelänge ihm das. Tronje "funktioniert" wie ein Rädchen im Getriebe. Nichts Auffälliges ist mehr an ihm. Seine neue Partnerin, Suzen, die möglichweise Elke und Monique in sich vereint, hat er in der Klinik kennengelernt, wo sie als Krankenschwester gearbeitet hat. Beide wagen den Neuanfang und bewerben sich für ein Studium, sie für Kunst, er für Elektronik. Suzen steht mitten im Leben und beweist Zähigkeit, da sie z.B. drei Eignungstests an der Kunsthochschule durchsteht, ehe sie angenommen wird. Tronje bleibt innerlich zerrissen. Ohne Suzen könnte er das Leben nicht ertragen. Auch zu einem Dasein mit Kind fühlt er sich, angesichts seiner depressiven Weltsicht, im Grunde nicht in der Lage. Marie, die gemeinsame Tochter, spürt, daß zwischen Suzen und Tronje etwas nicht stimmt, und leidet darunter. Als sie durch einen "Selbstmordversuch" - den Kopfsprung vom Bett - eine Gehirnerschütterung erleidet und ins Krankenhaus gebracht werden muß, bleibt immer noch die Frage offen, ob die Eltern durch den Vorfall erwachen, (denn Tronje müßte sich durch seine frühere Kopfverletzung eigentlich erinnert fühlen...) oder nicht; und auch, ob sie zusammen bleiben werden oder nicht. Tronje überläßt die Entscheidung wahrscheinlich Suzen: "'Warum willst du so schnell heim?' fragte ich Suzen, sie antwortete nicht, zum ersten Mal verweigerte sie mir eine Antwort! Nur in ihrem Gedärm läßt sich die Zivilisation ertragen, dachte ich, mich der Geschwindigkeit fügend, mit der uns Suzen zurückschoß ins menschliche Gewimmel." So der für den Leser unbefriedigende Schluß. Kein Happy end, sondern ein Open end. Rätselhaft wie das ganze Buch. Herausfordend auch: der Leser ist gefordert, sich seine eigenen Gedanken zu machen, die Geschichte selbst weiterzuspinnen, genau wie er sich die Fragen, die Tronje gestellt wurden, im Nachhinein ausdenken kann. Der Roman bietet auf jeden Fall viele Anhaltspunkte. Natürlich handelt er von einem Einzelschicksal, von Tronjes Schicksal, und natürlich erfährt der Leser auf ironische Weise viel über das Leben eines Soldaten in der ehemaligen NVA. Und doch weist der Roman über diesen Tellerrand hinaus. Es ist ein philosophischer Roman, in dem die Sinnlosigkeit jeder kriegspielenden Armee, nicht nur der NVA, symbolisch dargestellt wird, und in dem es, weit gefaßt, um den Traum von einer besseren Menschheit geht. Es wird Kritik geübt am Umgang mit andersartigen oder sensiblen Menschen; Kritik daran, daß diese Verwirrten einfach nur in die Maschinerie der Leistungsgesellschaft zurückgeführt werden, meist durch Ruhigstellung mittels Medikamenten. Insgesamt besteht wenig Aussicht auf Hoffnung, der Roman wirkt trotz seiner ironischen Passagen pessimistisch, außer vielleicht in der Ebene des Märchens. Immerhin: es gibt den Vogel Sing, der als kleiner Buddha gesehen werden kann... Cornelia Marks, Halle

Zum poetischen Dialog zwischen Miloš Crnjanski und Viktor Kalinke

Sehnsucht: Städte: Wanderer

von HEINZ WEISSFLOG, OSTRAGEHEGE 34 11/2004

Sumatra, eine zu Indonesien gehörende Insel im Indischen Ozean, war für den serbischen Dichter und Schriftsteller Milos Crnjanski sowohl Ort als auch Inbegriff des Idealischen und fiktive Zuflucht, eine Welt, die Natur und Mensch zu einer paradiesischen Einheit verband. Zu ihr aufschauend, spornten sie ihn zu Versen an, die wie im Traum die fernöstliche Koralle in die heimatliche Kirschblüte verwandelt. Doch Sumatra ist nicht nurschwärmerischer Heilsort, sondern vor allem Distanz, die die Heimat wieder wertvoll erscheinen ließ, lebte doch der Autor bis 1965 im Londoner Exil. Milos Crnjanski(1893 1977) gehört zu den bedeutendsten Vertretern des serbischen Expressionismus und wurde vor allem durch seine Gedichtzyklen zur griechischen Antike (»Lyrik Ithakas«) und zur chinesischen Philosophie bekannt. Städte Italiens wie Florenz oder Venedig haben den Dichter besonders inspiriert, so wie Orte in Serbien, die er nichtverklärt, sondern in ihrer kulturellen und geografischenBedeutung dem fernen Sumatra, das er nie sah, gleichstellt. Der Leipziger Autor und Herausgeber Viktor Kalinke hat sich längere Zeit mit der Dichtung Crnjanskis beschäftigt und ist in dem Buch »Herbst auf Sumatra« mit eigenen Gedichten auf den Spuren des Serben in einen poetischen Dialog getreten. In dem Band sind den drei Kapiteln programmatisch jeweils ein Gedicht Crnjanskis vorangestellt, die mit der Sehnsucht nach Sumatra, den Städten und der lebenslangen Wanderschaft des Dichters zu tun haben, gleichsam als freier Bezugspunkt und Leitmotiv der eigenen Poetik. Kalinke versucht, das Phänomen Sumatra auf das eigene Erleben und Dichten zu projizieren, prüft die Wertigkeit des poetischen Ichs im Vergleich mit dem Meister. Aus dem Indischen Ozean wird so die Ostsee, aus dem exotischen Mädchen am Strand die eigene Geliebte. Durch die Aufnahme des Themas kommt es zu einer zweifachen Brechung: Die fiktive Welt Crnjanskis, aus der Not des eigenen Schicksals geformt, dient Kalinke als Folie für seine Wirklichkeitsverarbeitung, die ihrerseits wieder ins Fiktive umschlägt, womit sich der Kreis des Dialoges schließt. Überall aber ist die Einsamkeit des poetischen Ichs spürbar, als Zeichen innerer Verwandtschaft aller Dichter, die in dem Satz Kalinkes kulminiert: » ... sie lieben die Einsamkeit aber ertragen sie nicht allein« (der früh verstorbenen Beatrix Haustein gewidmet, von der im letzten Heft Gedichte zu lesen waren). Kalinke schreibt über Städte und Reisen, Schnittpunkte, an denen er den dichterischen Wegen Crnjanskis begegnete, über Orte, Helden und Dichter, aber auch über ganz Intimes und ordnet die Gedichte, die nicht immer eigens zum Zwecke des Dialoges geschrieben wurden, in freier Art dem Rahmen zu, den die ausgewählten Gedichte Crnjanskis vorgeben. Dabei benutzt er eine eigenwillige Interpunktion: Wort und Vers sind immer durch den Doppelpunkt getrennt, gleichsam als Denkpause, aber auch als Verweis auf das nächstfolgende Wort, wodurch sich eine ungewohnte Spannung beim Lesen einstellt. Dem Dialog ist ein Nachwort des Autors beigefügt, in dem er seine Auseinandersetzung mit dem Werk Crnjanskis kommentiert und sich als Eingeweihter der chinesischen Schrift und Philosophie zu erkennen gibt. In ihm beklagt er eine gewisse Interesselosigkeit der Experten, vor allem aber eine bedauerliche Geringschätzung bei der deutschen Literaturwissenschaft, die zur Folge hatte, dass kaum eine gültige Übersetzung existiert und die wissenschaftliche Forschung das Werk Crnjanskis nahezu übersah. Auch mit der Rezeption des wenigen, was in deutscher Sprache vorhanden ist, steht es nicht gut. So ist der Dialog Kalinkes gleichwohl eine Anregung für Leser und Fachleute, ins Gespräch mit der modernen serbischen Literatur zu kommen.

"Es gibt bei Miloš Crnjanski Karnevalistisches und Halluzinatorisches, Verzweiflung und Sehnsucht («es wird genügen, wenn eines Winters / aus einem schneeverwehten Garten / fröstelnd ein fremdes Kind eilt / und mich umarmt») – und die Trance der Versmusik. Als Leser gehorcht man dem Sog dieser Verführung, die sich ebenso als Sprengstoff wie als Läuterung erweist. Im Deutschen will der Zauber allerdings so ganz nicht gelingen. Viktor Kalinke, der die Gedichte nach Interlinearversionen von Stevan Tontic und Cornelia Marks übersetzt hat, trifft den Ton zwar mehrheitlich gut, vertut sich aber in vielen Details. Wenn dem Reim zuliebe Verachtung zu Vorurteil, Stein zu Ungeheuer wird, wenn sich galizische Föhren in mediterrane Pinien und Mundwinkel in «Klippen um die Lippen» verwandeln, entstehen Schieflagen, ja mehr noch: Missverständnisse. Oft werden naheliegende Lösungen zugunsten von umständlichen verworfen; Crnjanskis bestechende Direktheit erleidet beim Transfer nicht selten bedauerliche Einbussen. Dass die Aufgabe keine leichte war, ist Tatsache. Und dass sie endlich in Angriff genommen wurde, auf jeden Fall dankenswert. Zu entdecken ist ein Dichter von europäischem Rang." Ilma Rakusa, Neue Zürcher Zeitung, 20. Mai 2008

Zu den Essays

"Lieber Viktor, gestern habe ich Deinen zwischen die Konvolute unserer Anthologie geratenen MEGA-ESSAY Poietische Kunst gelesen. Das ist wirklich ein großer Entwurf. Beeindruckend finde ich, wie leicht Du zwischen den Welten wandelst. Platon neben Gauß, Freud, Wittgenstein und Breton. Antike neben Postmoderne.
Krausismo neben Autopoiese. Dabei erscheint alles sehr schlüssig. Ich werde diese Habilitationsschrift wohl noch einige Male lesen müssen, um den ganzen Reichtum dieser Gedanken zu erfassen. Axel Helbig

Zu "Dresden 1. Mai 1989"

Der schiefe Blick des unbekannten Fotografen
Ralf Julke, 18.10.2009, L-IZ

Es gibt Funde, die haben es in sich. Auch wenn der Witz eine Weile braucht, sich zu entfalten. So, wie die Bilder in einem Fotokarton, den Viktor Kalinke 1990 in einem Haus in der Dresdner Neustadt fand, erst 20 Jahre später ihre Wirkung entfalten. Nur den Fotografen kennt er nicht. Den sucht er noch. Der Karton, den der damalige Student der Psychologie und Mathematik, fand, enthielt Fotos und Negative von einem eher banalen Ereignis: den Feierlichkeiten zum 1. Mai in Dresden. Echte Amateurbilder, zumeist unscharf und aus ungünstiger Perspektive aufgenommen. Das, was ein neugieriger und zufälliger Besucher eines solchen Ereignisses eben zu sehen bekommt: die gelangweilt wartenden in ihren "Marschblöcken", die mit Blöcken schon längst nichts mehr zu tun haben, gähnende Leere an den Straßenrändern, lose vorbeispazierende Pulks mit selbstgemalten oder vorgefertigten Transparenten und Plakaten, mal Karl Marx lässig über die Schulter drapiert, mal Wilhelm Pieck. Immerhin war das Dresden, drittgrößte Stadt der DDR, Bezirkshauptstadt. Und wenn man in den Archiven die entsprechenden Ausgaben des "Bezirksorgans der SED" sucht, wird man bestimmt stolze Marschierer, wehende Fahnen und staatsmännisch winkende Kader auf der Tribüne sehen, fette Schlagzeilen über den "fortschreitenden Sieg des Sozialismus" und andere Heldentaten. Nur wer die Bilder fotografiert hat, würde der Herausgeber gern wissen.

Die Helden sind in dem kleinen Buch zu sehen, das Viktor Kalinke jetzt aus den Fotos vom 1. Mai 1989 zusammengestellt hat. "Der Umzug selber bot ein Bild der Lächerlichkeit und jeder wusste es", schreibt er im Kommentar zu den Schwarz-Weiß-Fotografien, die irgendjemand da im Sommer 1989 noch hatte entwickeln lassen und dann einfach stehen ließ, als er die armselige Wohnung in der Neustadt verließ. Das Ereignis war nicht nur Geschichte, es schien nur noch vergessenswert. Einer jener armseligen Höhepunkte im Leben eines ergrauten und erstarrten Landes, in dem niemand mehr an die offiziell herumgetragenen Parolen glaubte. Selbst das ist auf den Fotos sichtbar. "Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass die Herrschaft der alten Männer bereits ein halbes Jahr später mit einem letzten Aufbäumen am Ende sein würde. ... So manches Plakat landete im Papierkorb, die Fahnen wurden hinter der Tribüne voller Arbeiterveteranen ins Gras geworfen ..." .Und trotzdem hat der unbekannte Fotograf diese ganze Tristesse fotografiert, die Arbeiter, die gelangweilt, die Hände in den Taschen, an der Tribüne vorbeitrotten, die kleinen Häuflein, die von manchem kämpferischen Kollektiv übrig blieben, die notdürftig verschönten Multikars mit den Werksparolen ... Es sind im Grunde dieselben Menschen, die ein halbes Jahr später mit denselben schlecht geschnittenen Klamotten und Einheitsfrisuren die Fotos beherrschen würden - die einen als Flüchtlinge, die anderen als Demonstranten, Mauerspechte, Westbesucher, Bananen- oder Pornoheftkäufer.

Kalinke hätte nur zu gern gewusst, wer de Fotograf war. Die Fotos hat er auch veröffentlicht, um den Unbekannten vielleicht doch noch zu finden. Zum Anderen ist der kleine Fotoband natürlich passend zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution: Er wirft einen exemplarischen Blick auf die Zeit dafür und lässt ahnen, wie überdrüssig selbst den Noch-Mitmarschierenden dieses Land und seine Rituale waren. Man latschte mit - und dann? Im nächsten Jahr wären die Parolen immer noch dieselben, egal, ob der Betrieb nun nur noch Ausschuss produzierte oder das Land längst zahlungsunfähig war, die Grenzen nach Polen und zur CSSR dicht und auch noch die Neustadt von Baggern plattgemacht. Es ging ja immer voran zu einem immer ungreifbareren Ziel. Für einen gut Teil der Maimarschierer war es - wie man sieht - die Bockwurst und die Flasche Bier am Ende des Marschweges, das erleichterte Abwerfen der Fahnen und Plakate, die gleich wieder eingesammelt wurden, um sie fürs nächste Jahr einzulagern. Nur dass die Wink- und Trageelemente zum nächsten 1. Mai fast alle schon in Containern landeten und die ruhmreich ihren Plan erfüllenden Betriebe reif für die Abwicklung waren. Und die "aktiven Kämpfer für starken Sozialismus und sicheren Frieden"? Hier latschen sie noch. Wo sind sie heute? - Geschichte kann auch richtig lächerlich sein, wenn man sie nicht mit de Kamera der offiziellen Staatsreporter betrachtet.


 




 

Leseproben
aus: Gottes Fleisch, Die Kunst: den Ort
zu finden, Asche, Wie ich Amerika entdeckte

Sehen!
Hören!
Zu den Büchern !
Essay zum 1. Kapitel des Daodejing
Zur Übersetzung von ITHAKA

Interview mit POLITIKA
Interview mit SZ
Interview mit der LVZ
Interview mit dem MDR

Vertonte Gedichte