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Presse

Stimmen zum Verlag

"Sehr engagiert ist der Leipziger Literaturverlag, in dem neun der 30 neu übersetzten, serbischen Titel erscheinen! Dazu gehört die Anthologie zur serbischen Lyrik, herausgegeben von Robert Hodel, und der bitter notwendige Gedichtband von Radmila Lazić. Außerdem publiziert er mit Miloš Crnjanski – wie im Übrigen auch Suhrkamp - einen Klassiker, ebenso Exilautoren wie Verica Tričković oder Boško Tomašević." Elena Messner, mdr figaro, 16. 3. 2011

"Der Verlag versteht sich als Vertreter und somit Verteidiger der Versliteratur. Die neue Ausgabe ist der 33 Band der Reihe neue lyrik, die mit ihrer Vermehrung mehr und mehr ein Ort der Entdeckungen wird." Bernd Heimberger

"Soll keiner sagen, es gäbe in deutschen Landen keine Bücher mehr, die sich zu lesen lohnte. Auch wenn sie auf keiner Bestsellerliste und keiner hiesigen Preisträgerbühne auftauchen. Einige davon werden in der Brockhausstraße in Schleußig verlegt ..." Ralf Julke

"Da ist es gut, daß, nach verschiedenen Ausgaben in den Verlagen Suhrkamp und Insel, nun hierzulande der Leipziger Literaturverlag mutig die Editionsgeschichte dieses bedeutenden Dichters fortschreibt." Volker Sielaff über Gennadij Ajgi, Tagesspiegel vom 23.10.2009

"Ganz wunderbar finde ich es, nebenbei bemerkt, daß Sie sich der portugiesischen Literatur angenommen haben. Ein Leipziger Wunderhorn?" Jürgen Gräßer, 27. 8. 2009

"Der Leipziger Literaturverlag leistet sich, was man sich wünscht von einem Literaturverlag: mutige Übersetzungsversuche, literarische Exkursionen und Entdeckungen. Das Ergebnis sind Bücher, die sich lesen lassen." Ralf Julke, L-IZ, 12. 8. 2009

"Das literaturästhetische Interesse der Friedenauer Presse und des Leipziger Literaturverlags bringen poetisch anspruchs- und wertvolle Werke hervor. Beide Verlage kennzeichnet die kunstvolle Gestaltung der Bücher, ihre internationale Ausrichtung und die erlesene Bibliothek russischer Literatur." Kai-Uwe Reinhold, Dresdner, 07-2009

"Der Verlag, der heute auf ein fest geknüpftes Kooperationsnetz mit ausländischen Kulturinstitutionen bauen kann und es in zehn Jahren auf knapp 150 Titel gebracht hat, ist ein Stück gelebte - und geliebte - Utopie." Nils Kahlefendt, börsenblatt 16. 4. 2009

"Ausnahmslos Texte mit einer sehr angenehmen, gut lesbaren literarischen Sprache." Dr. Stefan Poppitz, Portugal Report 04 / 2008

"Der Leipziger Literaturverlag steht im Dialog mit Osteuropa" MOE-Kultur, Ausgabe 55, Sept-Okt. 2008

"Der Leipziger Literaturverlag hat literarisches Gespür bewiesen. Da darf man den Hut ziehen." Andreas Heidtmann, Poetenladen 08-2008

"Wer nach Global Poets auf dem deutschsprachigen Buchmarkt fragt, stößt vor allem auf Klein- und Kleinstverlage, in deren Reihen internationale Lyrik achtsam ins Deutsche übertragen wird - in der Edition Korrespondenzen aus Wien etwa, vom Basler Verlag Urs Engeler Editor oder im Leipziger
Literaturverlag, die sich sowohl um westliche als auch um osteuropäische Dichtung verdient machen."
Peer Trilcke, Welt-Poesie, in: Literaturen 03 / 2008, S. 51

"Ein solider Verlag!"
Bernd Heimberger, 18. 1. 2008

"Gegenwärtig ist der Leipziger Literaturverlag die erste Adresse für die 'jüngsten AutorInnen' in Dresden, ja in Sachsen insgesamt. Ein außerordentlich mutiger Verlag, dessen Konzeption - über eine 'Portuguiesische Bibliothek', eine international bestens besetzte 'edition neue lyrik', bis hin zu geisteswissenschaftlichen Themen - weit gespannt ist und der dennoch stets dem Neuesten, noch zu Entdeckenden gegenüber geöffnet ist."
Axel Helbig, LICHTUNGEN, 110/XXXVIII. Jg., 2007

"Kleinere Verlagsunternehmen wie der Leipziger Literaturverlag etablieren und verteidigen die 'Inseln der Freiheit'. Mitten im Meer der Sensationen und Superlative. Als erklärte 'Einladung zur Stille, zum Innehalten, zur Retrospektive und zur Bestandsaufnahme'. In unserer noch unbenannten Epoche nach der Postmoderne, begleitet von Dichtern wie Christoph Meckel."
Gisela Hoyer: Die Inseln im Meer der Sensationen, Leipziger Volkszeitung, 22. März 2007

"Der Leipziger Literaturverlag ist ein kleiner, überaus engagierter Verlag für literarische Entdeckungen."
Michael Hametner, mdr figaro 06-2006, Sendung: "Bücher von hier"

"Wieder einmal kann uns der Leipziger Literaturverlag mit Buch und Qualität überzeugen. Es gibt sie, die Leipziger Verlage, die die Kunst vor Ort fördern und entdecken." Henner Kotte, BLITZ! 2 / 2006

"Eine neue exklusive Adresse für Literatur- und bildende-Kunst-Liebhaber." Ulrich Kiehl, Signum, 02 - 2006

„... ein Verlag mit einem literarisch und intellektuell sehr feinen Programm ..." Ursula März, DIE ZEIT 21. 10. 2004

 

Zum Verlagskonzept

Foto: André Kempner

Leipziger Literaturverlag rückt Serbien ins Zentrum seines Frühjahrsprogramms

von Janina Fleischer, LVZ, 11. 3. 2011

Wie Kultur und Genuss hier Hand in Hand gehen, sieht der Gast sofort: Es gibt Schokolade, Tee oder getrocknete Beeren. Es gibt Bücher, Sessel und ein großes schwarzes Sofa. "Kultur Genuß Laden" steht schließlich auch über der Tür im Eckhaus Brockhausstraße 56. Wer drinnen sitzt, sieht die Schleußiger ihre Kinderwagen vorbeischieben. Wer reinschaut, kann Bücher entdecken, die er in kaum einem anderen Laden in dieser Zusammenstellung findet. Denn neben den eigenen sind im Kurt-Wolff-Depot auch ausgewählte Titel anderer unabhängiger Verlage zu haben, also das Neueste von Urs Engler, kookbooks oder Sukultur, von Antje Kunstmann oder Wagenbach.

Sie sind es auch, deren Stände sich auf der Buchmesse in Halle 5 um die Leseinsel junger Verlage gruppieren. Eine sympathische Nachbarschaft, findet Viktor Kalinke, der zum siebenten Mal mit eigenem Stand dabei ist. "Wir sind in Leipzig von den Jungen die Älteren", sagt er. Als er 1998 gemeinsam mit der HGB-Absolventin und Buchgestalterin Marion Quitz die Edition Erata in der Kantstraße gründete, zwei Jahre später kam die Galerie dazu, ging es vor allem darum, eigene Projekte zu verwirklichen, konkret: Kalinkes "Studien zu Laozi Daodejing", eine Übersetzung aus dem Chinesischen, für die er keinen Verlag fand. In diesen Tagen erscheint der dritte Band, und seine Übersetzung gelte unter Sinologen als eine der wichtigsten. Eigentlich hätte er den Verlag gern "Volk und Welt" genannt, "weil das gut zu uns passt". Doch die Frage nach den Rechten wurde gar nicht erst beantwortet.

Auch nach dem Umzug nach Schleußig und der Konzentration auf den Namen Leipziger Literaturverlag gibt es Ausstellungen, in denen die Originale der Buch-Illustrationen zu sehen sind. Derzeit sind es Arbeiten des Malers Hubertus Giebe, dessen Essay-Band "Der geschliffene Elfenbeinturm" Widerreden und Würdigungen versammelt und die Mechanismen des Kunstmarktes hinterfragt.

Ein Schwerpunkt des Verlagsprogramms, das Kalinke mit Lektorin Silke Brohm und zwei weiteren Mitarbeiterinnen auf die Beine stellt, sind die literarischen Übersetzungen, meist deutsche Erstveröffentlichungen in ihrer Heimat namhafter Autoren. So hat beispielsweise Ron Winkler Gedichte des Amerikaners Billy Collins ins Deutsche übertragen ("Schnee schaufeln mit Buddha"). Mal schlagen die Übersetzer selbst Titel vor, mal geben Agenten und Mentoren Empfehlungen. Durch einen Tipp kam Kalinke zu Manuel Alegre, einem portugiesischen Dichter und Politiker, der bis zur Nelkenrevolution als die Stimme des Widerstands vernommen wurde und seinen Wahlkampf mit Gedichten bestritten hat. 2007 ist sein Roman "Rafael" im Leipziger Literaturverlag erschienen, übersetzt von Markus Sahr. Zur Lesung im Haus des Buches kamen 50 Gäste, "da war nebenan bei Ingo Schulze natürlich mehr los", erzählt Kalinke.

210 Titel gibt es jetzt insgesamt. Erscheinen normalerweise etwa 20 im gesamten Jahr, liegen diesmal schon im März 14 Novitäten vor. Das hängt auch mit dem Serbien-Schwerpunkt der Leipziger Buchmesse zusammen. 9 der insgesamt rund 30 Neuübersetzungen erscheinen bei Kalinke. Das Aufwendigste seien die Lizenzverhandlungen und das Organisieren von Fördergeldern oder Stipendien für die Übersetzer. Mitunter kommt der Zufall zu Hilfe. Nach einer Buchpremiere in Köln lernte der Leipziger Mirjana und Klaus Wittmann kennen, 2006 für ihre Übersetzung von David Albaharis Roman "Mutterland" mit dem Brücke-Preis ausgezeichnet. Sie haben nun Essays und Prosa Milos Crnjanskis (1893-1977) ins Deutsche übertragen und auch Gedichte von Radmila Lazic. Crnjanski lebte nach dem ersten Weltkrieg als Kulturattaché des Königreichs Serbien in Berlin. Kalinke ist fasziniert von den Aufzeichnungen des "genauen Beobachters", der über das Deutschland der 20er Jahre ins Schwärmen geriet, aber bereits sah, dass der nächste Krieg sich gegen Polen richten wird.

Die Lyrikerin Radmila Lazic ist wie auch die Wittmanns zur Buchmesse im Kulturgenussladen zu erleben. Dem Verleger gefällt ihre "sinnliche und klare Sprache", die "frischen und kräftigen Bilder" einer Dichtung, die leichter zugänglich sei als die "deutschen Verrätselungen". Lazic wird auch beschrieben als "die einzige Katze in der serbischen Poesie, die kratzen kann". Eine andere Besonderheit zeitgenössischer serbischer Literatur sei die Thematisierung des Krieges. In kurzen Gedichten schreibt die Exilantin Verica Trickovic von diesen Erfahrungen und davon, was sie dennoch in Hoffnung gehalten halt.
Auf dieser Landkarte gibt es noch sehr viel zu entdecken und zu erfahren, sagt Kalinke. Der 41-Jährige liebt Begegnungen ebenso wie die Überraschungen, die sie ermöglichen, wenn er den Schreibtischjob des Verlegers gegen die Arbeit des Veranstalters tauscht, wenn in der Brockhausstraße 56 bis in die Nacht gelesen wird und geredet über Texte oder Bilder, darüber, was Kultur zum Genuss macht.

Leipziger Volkszeitung vom 24.12.2010

 

 

Der Perlenfischer. Leipziger Literaturverlag gibt hierzulande einzigartige Reihe portugiesischer Literatur heraus
von Dr. Stefan Poppitz, Deutsch-Portugiesische Gesellschaft, Portgual Report 04/2008

Fragen Sie doch mal unter Freunden, Kollegen, Nachbarn, welche Namen ihnen beim Stichwort Portugal einfallen. Vasco da Gama? Klar, kennt fast jeder - sofern man ihn für einen Portugiesen hält. Luis Figo, Christiano Ronaldo? Natürlich, die Fußball-Fan-Gemeinde hierzulande weiß mehr als nur mit Jogi, Olli, Poldi etwas anzufangen. Fernando Pessoa, José Samarago, Amalia Rodrigues? Wer die kennt, dürfte in den Augen vieler schon als Kandidat für 'Wer wird Millionär?' taugen. Würde Günther Jauch bei der 1-Millon-Frage allerdings wissen wollen, wer Manuel Alegre oder Herberto Helder sei, so könnte er sich fast hundertprozentig sicher sein, daß RTL das Geld nicht rausrücken muß. Das ist kein großes Malheur. Nicht jeder ist auf literarischem Feld so gut bewandert, und handelt es sich zudem um das portugiesische wie bei Alegre und Helder oder das eines kleineren Landes, dann erst recht nicht. Viktor Kalinke, der Chef des Leipziger Literaturverlages, bedauert das trotzdem ein wenig. Denn in einem von den Großen beherrschten Markt der Massenliteratur geht leider vieles an sprachlich Herausragendem unter, was es allemal wert wäre, gelesen zu werden. Deshalb haben er und seine Mitstreiter in den zehn Jahren des Bestehens des Leipziger Literaturverlages vor allem aufmerksam beobachtet, was sich in Lyrik und Prosa eben gerade kleinerer Länder wie Litauen, die Slowakei, Finnland, Serbien oder Portugal getan hat, und Bemerkenswertes davon herausgebracht ...
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Ungewöhnliche Bücher für ungewöhnliche Leser: 10 Jahre Edition ERATA in Leipzig
von Dörthe Stanke, Lizzy - 14.10. 2008

„Doch, es sollte ein Versuch mit langem Atem werden, keine Eintagsfliege", antwortet Viktor Kalinke auf die Frage, ob er wohl vor zehn Jahren gedacht hätte, dass er 2008 noch immer Bücher verlegen würde. Also erfüllte er sich einen Traum, den viele träumen, aber die wenigsten wahr machen.

Zusammen mit der Buchgestalterin Marion Quitz gründete er seinen eigenen Verlag, die Edition ERATA. Seitdem sind rund 150 Bücher erschienen, die Auflage beträgt jeweils 400 Stück. Es sind ungewöhnliche Bücher, die bei ERATA erscheinen, "keine Gute-Nacht-Literatur", wie Verleger Kalinke sagt, sondern Bücher, die auf der Suche nach dem Besonderen sind. „Wir legen in jeder Publikation Wert auf einen anspruchsvollen Umgang mit Sprache und auf einen außergewöhnlichen literarischen Blickwinkel", erläutert Kalinke sein Verlagskonzept. Gegen das Wort Avantgarde hat der wortgewandte Mann, der außerdem als Psychologe an der HTWK tätig ist, nichts einzuwenden.

Die bei ERATA erscheinenden Bücher dürfen und sollen den Leser irritieren, ihn anstrengen und anregen. Dass sich mit diesem Konzept keine Riesenabsätze erzielen lassen, ist klar, aber Bestseller zu produzieren ist auch gar nicht das Ziel von ERATA. Vielmehr geht es darum, mit dem Verlag eine Plattform für Literaturinteressierte und Autoren zu schaffen, auf der sie sich begegnen und austauschen können. Und gegen den Uniformitätsdruck der großen Verlage noch wenig bekannten Autoren die Möglichkeit zu geben ihre Werke zu publizieren.

„Wir wollen dazu beitragen, die literarische Sprachlosigkeit der neuen Länder zu überwinden", so Viktor Kalinke, "nach dem Verlags-Kahlschlag im Zuge der Wende laufen die literarischen Aktivitäten im Osten Deutschlands fast ausschließlich über den Filter von Westverlagen." Angesichts des Trends zu immer größeren Konzentrationen in der Verlags- und Buchhandelsbranche ein kühnes Projekt. Aber die vergangenen zehn Jahre geben Kalinke in seiner Vision recht. Der Bekanntheitsgrad des Verlages steigt allmählich und stetig.

Jedoch nicht nur ostdeutsche Autoren können im gemütlichen Ladengeschäft des Verlages in der Brockhausstraße entdeckt werden. Osteuropa und Portugal stellen weitere verlegerische Schwerpunkte der Edition ERATA dar, ebenso Lyrik. Besonders schön: Wird ein fremdsprachiger Poet verlegt, erscheinen die Gedichtbände stets zweisprachig. So gehört zum Beispiel der US-Amerikaner Billy Collins zum Verlagsprogramm, der in seiner Heimat ein wahrer Dichterstar, hierzulande jedoch noch weitgehend unbekannt ist. Vorbeischauen lohnt sich.

Doch wie kann ein Verlag mit einem derart ambitioniertem Programm überhaupt finanziell überleben? – Viktor Kalinke lacht: „Die Frage stellen immer alle." Die Antwort ist einfach, neue Buchprojekte finanzieren sich über den Verkauf der älteren Titel, der Rest ist Selbstausbeutung. – „Aus Liebe zum altmodischen Medium Buch", wie Kalinke sagt. Das Großartige am Verlegersein sei, ein Buch vom Manuskript bis zum fertigen Produkt zu begleiten. „Es ist einfach sehr befriedigend einen solchen umfassenden Prozess zu vollziehen", resümiert Kalinke, „sonst ist man ja heute beruflich in der Regel nur mit Teilaufgaben konfrontiert, ein Rädchen im Getriebe. Das ist beim Büchermachen einfach anders."

Die Edition ERATA lädt ein zur Jubiläumsfeier am heutigen Freitag, 14. November, um 20:00 Uhr in die Brockhausstraße 56.

 

Hauptmahlzeit und Kompott
Leipziger Edition ERATA feiert in diesem Jahr Jubiläum
von Jutta Donat, Traffix, 2 / 2008

Kafka, der Surrealist, wäre hier gut aufgehoben gewesen, Novalis, der Romantiker oder Gabriel Garcia Màrquez, der magische Realist. Der Literaturverlag ERATA in der Brockhausstr. hat es sich seit seiner Gründung 1998 vorgenommen, sprachlich herausragende Lyrik und Prosa zu veröffentlichen.
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Sprache der Stille
von Bernd Heimberger, 18. 1. 2008

"Warum wissen wir hierzulande wenig oder gar nichts vom Dichter Charles Wright? Weil die nordamerikanische Dichtung in Deutschland vor allem durch die popularisierten Pop-Poeten vertreten ist. Das soll genügen? Das genügt nicht! Doch, wen kümmerts? Nicht die Großverlage. Also müssen kleine Verlage ran, das Defizit auszumerzen. Zum Beispiel der solide Leipziger Verlag Edition ERATA. Der gibt die Reihe "edition neue lyrik" heraus. In der ist als Band 22 eine Wright-Auswahl erschienen. Bereits der Titel 'Worte sind die Verringerung aller Dinge' ist eine Herausforderung ..."
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Ausschließlich unabhängig
Buchreport.magazin, Februar 2008

Die Edition ERATA hat im November 2007 ein Kurt-Wolff-Depot gegründet. Die unabhängige Verlagsszene präsentiert dort exklusiv ihr Buchporgramm. Lauschiges Plätzchen: Einer vier Räume der insgesamt 140 qm großen Galerie ERATA ist seit zwei Monaten für das "Kurt-Wolff-Depot" reserviert. Anders als in bestsellerdominierten Sortimenten hat die unabhängige Kleinverlagsszene die Chance der Frontalpräsentation. Mit Ausstellungseröffnungen und Lesungen wird zusätzliche Klientel zum Schmökern geladen ..." Nicole Stöcker,
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Verse für den Wahlkampf in Portugal
Viktor Kalinke leitet in Leipzig die EDITION ERATA und setzt auf europäische Gegenwartsliteratur.

Gespräch mit Karin Grossmann, Sächsische Zeitung, 7. 7. 2007
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Zwangsneurotische Verzwingung – von der Leidenschaft des Sammelns
14. Sächsischer Literaturfrühling „Bücherbilder – Bilderbücher“

von Silke Schetelig, Freie Literaturgesellschaft, zur Veranstaltung am 10. 5. 2006

Es gäbe vielfältige Möglichkeiten, Kollegen zu treffen, berichte Ralph Grüneberger in seiner Einleitung der letzten Veranstaltung des 14. Sächsischen Literaturfrühlings. Beispielsweise träfe man manche auf der Pferderennbahn oder auf Auktionen, wie eben jenen Manfred Jendryschik, der ihm in der Galerie Erata gegenüber sitzt. Der gemeine Zuhörer stutzt. Vermutet man Künstlerbegegnungen doch an aparteren, adäquater anmutenden Stätten. Zumindest nicht an solchen Orten, an denen oftmals alles vom Glück und dem Mut zum Risiko abhängt und zudem mit Geld gehandelt wird. Mal wieder in die Klischeefalle getappt, in die des armen Poeten, denkt man bei sich und schmunzelt ob der eigenen Vorurteile. Geschmunzelt werden darf an diesem Abend noch des öfteren. An diesem Abend, an dem die beiden Autoren die in der Galerie Erata zur Zeit ausgestellten Grafiken ihrer Bücher und ihrer Privatsammlung vorstellen und über das Sammeln parlieren. Übrigens eine Idee, die auf einem zufälligen Auktionstreffen geboren wurde.
Wie in den rund 30 Veranstaltungen des diesjährigen Sächsischen Literaturfrühlings lebendig erfahrbar wurde, ist die Verbindung von Wort und Bild eine vielfältige. Das Bild illustriert nicht nur, sondern zeigt das Ungesagte. Der Text beschreibt nicht nur, sondern erzählt das Nichtgezeigte. Gerade im Spannungsfeld zwischen beiden künstlerischen Aussagen kann das Faszinierende liegen und im Auge des Betrachters entstehen. Im Auge, das liest und sieht.
Insofern ist die zur Begrüßung vom Galeristen und Verleger Kalinke provokant gestellte und Religionen spaltende Frage nach der (Un-)Möglichkeit der Abbildbarkeit des Wortes eindeutig zu beantworten. Beide Autoren, deren Werkliste eine Vielzahl gemeinsamer Arbeiten mit Bildkünstlern, insbesondere aus dem druckgraphischen Bereich aufweist, betrachten das Verhältnis zwischen Wort und Bild eher symbiotisch. Grüneberger und Jendryschik erleben die vermeintliche Dichotomie als Bereicherung und profitieren von der wechselseitigen Anregung in der Zusammenarbeit mit Künstlern wie Karl Georg Hirsch, Katrin Kunert oder Ulrich Hachulla.
Darüber hinaus entspringt dem ehedem engen Verhältnis der beiden Autoren zur Bildkunst auch die Sammelleidenschaft. Grüneberger beispielsweise ließ sich zuweilen sein Honorar bei Lesungen in Galerien in „Naturalien“, sprich Grafik auszahlen und legte somit den Grundstock seiner stetig anwachsenden Sammlung an Druckgraphiken, Radierungen und Holzstichen. Zudem stellt es für den Schriftsteller eine Grundsatzfrage dar, ob man bei einem großen Verlag hausieren gehe, um letztendlich nach anderthalb Jahren auf dem Ramschtisch zu landen oder ob man nicht eher ein schönes Buch mache, dessen Wert Verlage wie Käufer gleichermaßen schätzen. Bücher, in die die Sinnlichkeit auch in die Gestaltung eingehen. Und so wird zugleich eine Lanze gebrochen für die kleinen aber feinen Druckpressenverlage wie die Salomon-Presse oder die Pfaffenweiler Presse.
Dass die Herausgabe in Kleinstauflagen zu DDR-Zeiten eine Editionspraxis war, um die Zensur zu umgehen, veranschaulicht Jendryschik an einem ausgestellten Blatt seiner Sammlung. Denn alle Druckerzeugnisse unter 51 Exemplaren mussten der Behörde nicht vorgelegt werden. Texte in Grafiken zu ‚verstecken’ war demnach auch eine Möglichkeit, kritische Inhalte zu verbreiten.

Überhaupt wartet Jendryschik an diesem Abend mit einer Vielzahl von Lebensweisheiten und Anekdoten rund um das Sammeln und den begehrten Objekten auf, ausgehend und inspiriert von den Exponaten an den Wänden der Galerie Erata. Zwar habe das Sammeln auf den ersten Blick vor allem mit Haben zu tun, erläutert der Autor in Anlehnung an Erich Fromms Analyse idealtypischer Existenzweisen des Menschen, doch sei dies ein Haben, das zutiefst mit dem Sein verbunden sei. Bilder begleiten ihn durchs Leben, seien Vertraute und erzählen gleichzeitig Geschichten ihrer Entstehung und ihres Werdegangs durch die Zeit. So weise ein Werk seiner Sammlung rückseitig rote Striche auf, die es als einer der Kunstwerke kennzeichneten, die von den Nationalsozialisten als entartete Kunst betrachtet und vernichtet wurden. Ein Pfarrer im Arbeitsdienst habe in der Feuerwache zu Berlin eben jenes Werk vor der Verbrennung retten können, das Jendryschik nun sein eigen nennt. Bilder, genauer Druckgraphiken und Radierungen aus der Zeit des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit, dienten ihm immer auch zur Auseinandersetzung mit der Gegenwart, beispielsweise in Fragen nach der Art, soziales und politischen Engagement mit künstlerischen Möglichkeiten zu verbinden und auszudrücken. Die Auseinandersetzung mit den Sammlerstücken weckt aber bisweilen auch die Erinnerung an den Prozess ihres Erwerbs. An einen Prozess, der mitunter seelische und körperliche Qualen beinhaltet, wie Jendryschik packend und erheiternd zu berichten weiß:
Habe er eine ausreichende Menge Geld angespart, einen Blick in die Auktionskataloge geworfen, begehrte Objekte ausfindig gemacht, so stelle sich zunächst die Frage, ob der Aufwand lohne oder, ob man nicht lieber einen Sonnentag auf lauschiger Sommerwiese im Garten verbringen solle. Doch selbst wenn man die zweite Option zur Gestaltung des kommenden Wochenendes gezogen habe, könne er, im Wissen um die Auktion und ihren im Geiste ablaufenden Verlauf, selten diese genießen. Also wähle er meist doch eher die erste Option und mache sich auf den mitunter weiten Weg. Vor Ort in Hochstimmung. Erst recht, wenn man sich dank allseitiger Zurückhaltung bereits im Besitz des Exponats wähnt und sich insgeheim bereits ins Fäustchen lacht, da der Preis nur knapp über dem Ausgabewert liege. Doch da, kurz vor dem erlösenden dritten Schlag erhebt sich eine weitere Karte und plötzlich schnellt der Betrag in die Höhe. Herzrasen. Fieberhaftes Überlegen, auf welche Art und Weise sich Geld noch beschaffen ließe, welchem Verlag man noch einen Vorschussbonus abzwacken könne, von welchem der noch zu erwerbenden Drucke man sich verabschiede, um eben diesen einen wenigstens zu erhalten. Doch da, der Preis bewegt sich mittlerweile in schwindelerregender Höhe. Entnervte Aufgabe. Und das Einzige, was bleibt ist das Hoffen darauf, dass sich Glück und das mit dem Erwerb verbundene Hochgefühl noch einstellen mögen. Ist es dann so weit, lässt der Besitzerstolz die Brust schwellen und hält, wieder zu Hause angelangt, noch über Tage an.
Mit nach Hause nehmen die Anwesenden dank der phantasievollen Schilderungen aus dem Leben und dem Wissen eines Sammlers - sind sie nicht selbst dem Sammeln als ‚zwangsneurotische Verzwingung’, wie Jendryschik selbstironisch bemerkt, verfallen - eine Ahnung der existentiellen und sinnstiftenden Bedeutung des Sammelns. Und sind ganz nebenbei prächtig unterhalten worden. Auflockerung erhielt der Abend zudem durch eingestreute, von Grüneberger vorgetragene Gedichte zu ausgestellten Aquarellzeichnungen Michael Blümels.

Den Abschluss dieser abwechslungsreichen Veranstaltung bildete der Tradition der Galerie Erata folgend eine Versteigerung. Die versammelte Runde wählte ihr Lieblingsobjekt, das nun zum Verkauf frei stand. Somit rundete ein Hauch von Auktionismus diesen gelungenen Abend ab: Stolz empfing der Höchstbietende das Ersehnte und erntete ebenso wie die beiden Autoren anerkennenden Applaus.

Ein Ort künstlerischer Begegnungen

von Ton Koesel, in: Sächsische Künstlerhäuser, Edition Wächterpappel 2004

"Im Herbst 1998 gründeten der Übersetzer und die Graphikerin und Buchgestalterin Marion Quitz die Edition Erata. Zunächst nur als Verlagsprojekt angelegt, entwickelte sich Erata nach kurzer Zeit zu einem Ort künstlerischer Begegnungen, der mit einem eigenen Galerieraum auch Platz für zeichnende Schreiber und erzählende Maler, für Grenzüberschreitungen und Auseinandersetzungen von Künstlern und Autoren hat. Kulturelle Vielfalt und Interesse für Minderheiten sind Stichworte, mit denen sich das Verlags- und Veranstaltungsprogramm mit Lesungen und Performances beschreiben läßt. Dabei ist der Dialog das grundlegende Arbeitsprinzip, und so erscheint beispielsweise Lyrik ausländischer Dichter grundsätzlich in zweisprachigen Parallelausgaben. Schwerpunkte sind osteuropäische und regionale Literatur. Auf der Erata-Website findet man eine Künstlerliste mit Bildbeispielen, einen Online-Shop, über den das umfangreiche Verlagsangebot mit international bekannten Werken, Fachbüchern, Künstlerbüchern und Editionen geordert werden kann, und ein aktueller Veranstaltungskalender machen das vielseitige Angebot deutlich."

Die Perspektive des Träumenden
5 Jahre Edition Erata in Leipzig

von Silke Brohm, Ostragehege, 32, 01 / 2004

Im Reich der Mitte nahm alles seinen Anfang. Besser gesagt: mit dem Daodejing des Laozi fing alles an. Diese Sammlung philosophischer Aphorismen mit ihrer sowohl im Individuellen als auch Gesellschaftlichen nutzbaren meditativen Kraft begeisterte den Leser Viktor Kalinke. Ihre deutschen Übertragungen, zu westlicher Eindeutigkeit neigend, konnten ihn indes kaum überzeugen. Das Opfer – durch das Daodejing sensibilisiert – erkannte das Übel und beschloß ihm als Täter zu begegnen: durch einen Aufenthalt in China und das Studium der altchinesischen Zeichensprache die verborgenen Feinheiten und Mehrdeutigkeiten des Daodejings aufzuspüren. Der Leser wurde zum Lernenden, der Lernende zum Übersetzer, und hatte also den Laozi verstanden. Als aber Viktor Kalinke den wissenschaftlichen ”Konferenz-TÜV”, sprich das 1996er Daoismus-Symposion an der Uni Leipzig, bestanden hatte und seine im deutschen Sprachraum wohl einzigartige, die Vielschichtigkeit des Originals wiedergebende Deutung des Daodejing zweisprachig veröffentlichen wollte, begannen die eigentlichen Schwierigkeiten. Die Verlage mauer­ten, wollten – was in englischen oder amerikanischen Ausgaben gang und gäbe ist – den deutschen Leser nicht durch Abdruck chinesischer Zeichen ”überfordern”. Statt seine Energie weiter in das Schreiben von Bittgesuchen zu verpulvern, faßte Viktor Kalinke erneut einen Entschluß. Getreu der Brechtschen Maxime ”Was ist ein Banküberfall gegen die Gründung einer Bank” wollte er doch lieber selbst mit seinem Kapital wuchern, gründete zusammen mit der Graphikerin und Buchgestalterin Marion Quitz die Edition Erata, und der Übersetzer wurde zum Verleger. So geschehen im Herbst 1998.

Seit dem sind fünf Jahre vergangen, die Edition Erata gibt es noch immer, mit stetig wachsendem Verlagsprogramm, oder, wie es im Daodejing heißt: ”Aus eins wurde zwei, aus zwei wurde drei, aus drei entstanden die zahllosen Dinge.” (42. Kapitel).

Fünf Jahre, in denen der Buchhandel drastische Gewinneinbußen hinzunehmen hatte. Wie kann da ein Kleinverlag bestehen, wenn der Markt übersättigt und das Angebot in den Buchläden durch einige wenige Grossisten bestimmt wird? Viktor Kalinke sieht die Chance der Kleinen in ihrer Flexibilität. Große Verlage, die aus wirtschaftlichen Gründen auf schnellen Erfolg orientieren, entdecken in solchen Zeiten vor allem junge Damen mit melancholischem Lächeln und ”hübsche zwanzigjährige Talente und Starlets, die sich in den Katalogen ganz fotogen präsentieren – einige artig intellektuell, andere frivol und modebewußt...” (Thomas Böhme, aus: ”Der stille Aufstieg des Romulus Leiser”). Eine dem kreativen Prozeß des Bücherschreibens gemäße Unmittelbarkeit beim Bücherverlegen ist dort kaum möglich, dauert es doch mitunter Jahre, ehe ein Manuskript überhaupt zur Kenntnis genommen wird.

Die Edition Erata, zu der seit drei Jahren auch eine Galerie gehört, setzt dagegen auf Synchronizität und Dialog, wozu auch das heutzutage gern vernachlässigte Lektorat und die Arbeit mit den Autoren und Übersetzern am Text gehört. Im Ergebnis entstehen langfristig lieferbare Titel. Kleine Verlage müssen einen langen Atem haben, desgleichen ihre Leser, denn auf die Bücher, die oft mit Liebe zum Detail gemacht sind, sowohl inhaltlich als auch gestalterisch, wird man in den seltensten Fällen beim zufälligen Stöbern in der Buchhandlung stoßen. So kann es, wenn einem nicht die Gnade der Begutachtung durch die trendbestimmende Journaille zuteil wird, einige Zeit dauern, ehe ein Buch seinen Leser bzw. ein Leser sein Buch findet: über Verlagsprospekte, veranstaltungsbegleitende Büchertische, kleinere Buch- und Kunstmessen, Werbemailings, Mundpropaganda oder Internetrecherche. Aber auch das lehrt das Daodejing: nachhaltige Wirkung statt Effekthascherei. Longsellers wie die ”Älteste indische Dichtung und Prosa” von Klaus Mylius bestätigen dies.

Der Dialog als grundlegendes Arbeitsprinzip des Verlages hat verschiedene Façetten. Lyrik ausländischer Dichter erscheint grundsätzlich in zweisprachigen Parallelausgaben. So begegnen wir in ”Herbst auf Sumatra” dem vom Ersten Weltkrieg erschütterten Serben Miloš Crnjanski und begeben uns mit ihm auf die Suche nach einer neuen, friedlicheren Welt, die er in der fernen, von ihm nie betretenen indonesischen Insel imaginiert. Seine den Grausamkeiten des Krieges entgegengesetzte Reinheit des Gefühls und die Sehnsucht nach Unverdorbenheit verbindet der heutige Leser unwillkürlich auch immer mit den Ereignissen auf dem Balkan in den letzten Jahren. Der preisgekrönte Band ”Knochenflöte” von Gintaras Grajauskas, dem stillen Maestro moderner litauischer Lyrik, begeistert durch seine Musikalität und leichte Melancholie. Kunstvoll zusammengesetzt wie eine Orgel, steigern sich die lakonischen Alltags­beobachtungen mit ihrer tiefen und doch einfachen Einsicht in der Welten Gang zu einem Finale, in dem alle Register gezogen werden und der Leser unweigerlich in den Strudel eines vielstimmigen Miserere gerät.

Aber auch einheimische Autoren kommen in der Edition Erata zu Wort, wie der erwähnte Leipziger Schriftsteller Thomas Böhme, der in seinen ”Schwarzen Archen” das vernachlässigte Geschlecht, Jungen in der Pubertät, zum einen fotographisch, zum anderen in rätselhaften, bisweilen grotesken Geschichten porträtiert, die wie aus der Perspektive eines Träumenden erzählt sind. Seine Beobachtungen sind von genauer, nahezu sozialphilosophischer Klarheit geprägt, die es nicht an hintersinnigem Humor vermissen läßt. Anna H. Frauendorf, Künstlerin, Dichterin und Kritikerin, vereint in ihrem, wenn man so will, ”annagrammatischen” Buch ”anKIRYLna” als Monotypien entstandende Kartondrucke, Gedichte und präzis formulierte Er­zäh­lungen zum Thema ”tagorte – nachtworte”. Der Berliner Jens Rosch, in der Ukraine geboren, er­kundet in ”Jokhang-Kreisel” die lyrische Verbindung zwischen Mathematik, russischem Sentiment und nüchterner östlicher Prägung.

Kulturelle Vielfalt und Interesse für Minderheiten – so lauten die Stichworte, mit denen sich das Verlagsprogramm am ehesten umreißen ließe. Minderheiten, wie die jungen Sorabistik-Forscher – unter ihnen übrigens auch zwei Japaner –, die in der Edition Erata mit den jährlich in Sorbisch erscheinenden Beiträgen ”Sorapis” vertreten sind. Untergehende Kulturen wie die russischen Altgläubigen, die der Fotograf Lev Silber mit seinem Band ”Das verborgene Gesicht Rußlands” vor dem Vergessen zu retten versucht. Daß dabei der Blick oft nach Osten geht, mag an der Herkunft und der Suche nach familiären Wurzeln liegen, räumt Viktor Kalinke ein, der in seinem Verlag ein ”Medium des Erinnerns” gefunden hat.

Das bezieht sich aber nicht nur auf unsere unmittelbare, europäische Nachbarschaft. Der Blick geht weiter, neben Asien auch nach Amerika, dessen kulturellem Reichtum zwei Neuerscheinungen im Herbst gewidmet sind. Im Mittelpunkt der als ”Narragramme” bezeichneten erzählerischen Malerei von Kati Küstner steht der Trickster, die Schelmenfigur der nordamerikanischen Indianer, der als Schöpfer und Zerstörer zugleich durch die Welt wandert, Betrüger ist und selbst betrogen wird. Der Lyrikband ”Haifisch und Jaguar – Maya Terrestris” vereint Mexiko-Texte von Viktor Kalinke, den wir hier als Dichter erleben, und surreale Zeichnungen von Marion Quitz. Das Buch schlägt Brücken zwischen Geschichte und Gegenwart, schärft historisches Bewußtsein und magische Vorstellung, mit einer Eindringlichkeit, das es von einer bloßen Chronik unterscheidet.

Gerade das letzte Beispiel zeigt, daß der Dialog in der Edition Erata nicht nur interkulturell, sondern auch zwischen den Professionen stattfindet. Mit der Galerie ist zudem ein Raum entstanden, der Begegnungen zwischen Autoren und Künstlern ermöglicht, der die Auseinandersetzung zwischen Wort- und Bildmenschen befördert und sie zu künstlerischen Grenzüberschreitungen ermuntert. Reflexion und Anschauung werden so auch für das Publikum konkret erlebbar. Denn, bei aller Abstraktion dürfen doch die Lust und die Sinne nicht zu kurz kommen. Ja, selbst das Spiel mit dem Irrtum sollte seinen Platz im kreativen Prozeß erhalten, meint Viktor Kalinke, und verweist mit einem Augenzwinkern auf den ungewöhnlichen Namen seines Verlages.

"Zeit für die Dinge”
Viktor Kalinke ist Verleger und Galerist in Leipzig

von Caroline Kieke, Praktikerporträt, in: anton.magazin für kulturwissenschaften, #05 april 2004

Grüner Tee dampft in einem Keramiktopf auf dem Boden des Arbeitszimmers und die Morgensonne malt gelbe Kringel daneben. Ein Mann Mitte dreißig mit kurzem, bewusst unordentlichem Haar beugt sich konzentriert über einen kleinen runden Tisch. Es ist Viktor Kalinke, der ein neues Künstlerbuch verlegt hat und nun mit Etiketten versieht. Ein prüfender Blick durch seine dunkelrandige Brille, dann legt er ein terracottafarbenes Buch beiseite, um sich das nächste zu schnappen. Links von ihm liegen die säuberlich zurechtgeschnitten Etiketten mit dem Aufdruck „Wie ich Amerika entdeckte“, rechts von ihm steht ein kleines Fläschchen mit Latex. Damit bastelt er nach und nach jedem Buch eines der Papierquadrate auf den Einband - „Bücher mit Gesicht“ eben.

Dies ist der Slogan des Verlages, den Viktor Kalinke vor fünf Jahren gründete. Zwei Jahre später ergänzte er sein kleines Unternehmen namens Edition Erata um eine Galerie. Außerdem arbeitet er als Übersetzer, Psychologe und Schriftsteller, und ist neben alledem begeisterter Papa.

Die „Wohnzimmer-Galerie“

Die „Wohnzimmer-Galerie“ versteckt sich in einem kleinen Garten zwischen einigen grauen Mietshäusern in Leipzigs Südvorstadt. Eher Insidern bekannt taucht sie nicht auf den bunten City Cards des Galerie-Rundganges auf, der mehrmals im Jahr erstaunliche Menschenmassen in Leipzigs Ausstellungen lockt. Voll bekommt Viktor Kalinke seine zwei Räume aber allemal, zum Beispiel, wenn er eine Lesung oder eine Vernissage ankündigt. Dann müssen die Besucher geschickt aneinander vorbei manövrieren, um einen Blick auf die Fotografien, Bilder oder Grafiken zu erhaschen. Besonders begehrt sind die Plätze auf dem knautschigen Ledersofa. Dort sieht man zwar nicht, wie Viktor Kalinke, wiegend auf der Stelle vor- und zurücktretend, offiziell seine Künstler begrüßt. Aber man kann genüsslich das Bücherregal daneben durchstöbern. Die abgegriffenen Bände darin sind die Ausgaben des Kleinverlages Erata. Fünfzig Publikationen in nur drei Jahren – das kann sich sehen lassen. Das Credo, flexibel und unverwechselbar zu sein, hat sich in dieser krisenhaften Zeit bewährt. Einer der Stars ist nach wie vor die „Älteste indische Dichtung und Prosa“ von Klaus Mylius, und auch sonst geht das Konzept der Öffnung nach Ost-Europa und Asien auf. Die Ausgaben ausländischer Lyrik sind grundsätzlich mehrsprachig, eine weitere Besonderheit ist der Anspruch, im Zusammenspiel von Sinn und Geist Künstlerbücher zu schaffen. Kulturelle Vielfalt und die Liebe zum Detail geben sich hierbei ein fruchtbares Stelldichein. Zum Abschluss einer Vernissage wird der Publikumsliebling unter den Ausstellungsstücken mittels Abstimmung erkoren. Stifte zum Ausfüllen der „Wahlzettel“ findet man in einem alten Filzhut.

Ein trojanisches Pferd

Heute steht der Filzhut – ob der mal grün war? - auf dem Klavier in der Ecke. In den Nebengelassen der Galerie sitzt noch immer der Herr des Häuschens und schneidet, klebt - - - drückt Papier gegen Leinen. Eine Stunde ist vergangen und der Stapel mit den jungfräulich unberührten Einbänden ist nur unmerklich kleiner geworden. Aber Viktor Kalinke sieht es gelassen: „Das ist zur Abwechslung mal was Entspannendes.“ Wieso Abwechslung? Ist das Management eines solchen Doppelunternehmens denn so monoton? Der Galerist und Verleger lehnt sich zurück und erklärt, dass mit steigendem Angebot unweigerlich auch der Verwaltungs­aufwand zunimmt. „Der Kleinkram bekommt immer mehr Platz.“ Das sagt er ganz ernst, doch meist schaut der Schalk ihm über beide Ohren, wenn er erzählt. Zum Beispiel davon, wie er zur Literatur kam. Angeregt durch die Abenteuer eines Schiffsjungen, begann er als 13jähriger, selber Geschichten zu schreiben und versank monatelang in seine Phantasiewelt. Ein paar Jahre später wurde er jüngstes Mitglied des Thüringer Literaturzentrums und schrieb für die von ihm gegründete Zeitung an seiner Sprachschule. Allerdings hing die nicht zensierte Ausgabe meist nur eine Pause lang aus. „Schreiben hatte damals noch den Reiz des Verbotenen“, erinnert sich Viktor Kalinke schmunzelnd, „heute kann man schreiben, was man will und kaum einen interessiert’s wirklich.“ Er denkt kurz nach und setzt hinzu „... also oft.“

Auf dem Pfad chinesischer Weisheit

Zu Resignation und Pessimismus hat er aber keinen Anlass. Alles, was er anfasste, wurde irgendwie gut. Dazu gehört in erster Linie der Verlag, den er gründete, um seine Übersetzung des Daodejing des Laozi herausgeben zu können. Diese uralte Sammlung altchinesischer Weisheiten fiel Viktor Kalinke als Abiturient in die Hände. „Das habe ich gelesen und hab’ es nicht richtig kapiert. Ich musste mir mal das Original angucken.“ So begab sich der junge Mann damals durch das Studium der altchinesischen Zeichen und während eines halbjährigen Aufenthaltes in China auf die Suche nach den Vielsinnigkeiten des Daodejing. Von den chinesischen Studenten lernte er viel: „Die lieben ihren Laozi und freuen sich, wenn jemand danach fragt. Hätten sie mir nicht ihre Gedanken dazu erzählt, hätt’ ich’s nie begriffen.“ Am Ende seiner Forschungen stand eine Übersetzung, die die Vielschichtigkeit des Originals wiederzugeben vermag und Raum für die Philosophie schafft. Eine kleine Sensation - denn bis dahin galt das Buch als erforscht. Da deutsche Verlage - im Unterschied zu amerikanischen oder Hongkong-chinesischen – sich jedoch einer zweisprachigen Ausgabe verweigerten, druckte sie Viktor Kalinke gemeinsam mit der Grafikerin und Buchgestalterin Marion Quitz kurzerhand im Eigenverlag, denn „wenn ein Buch nicht erscheint, wird man krank. Man will mit der Veröffentlichung auch frei werden für neue Sachen“.

„Sachen“ und „Dinge“ - davon erzählt er viel. Sich „Zeit für die Dinge“ nehmen ist ihm wichtig. „Ja, das ist typisch – ich lass ein paar Sachen liegen und fange mehreres gleichzeitig an, damit die Sachen auch reifen“, sagt er, und man fragt sich unwillkürlich, welche Pläne ihm dabei schon im Kopf herumschwirren.

Das unerschöpfliche Dao
Das Buch Daodejing mit improvisierter Musik im DZzM

von Peter Zacher, Dresdner Neueste Nachrichten, 29. 4. 2002

Kalinke, einige Zeit Gast der Universität Beijing, ein exzellenter Kenner des Sujets, hat das Daodejing erneut ins Deutsche übersetzt. Er rezitierte Auszüge aus dem Buch mit leiser und sehr sanfter Stimme und hatte offenbar Freude daran, solche Passagen darzubieten, die zueinander im Widerspruch stehen. Darunter waren reizvolle Sätze wie der, daß oft erst durch das, wo nichts ist, Nutzen erwächst (das bezieht sich auf das Rad mit Speichen, den Krug und das Haus). Mehr als einmal wurde deutlich, wie unerschöpflich sich das Dao in diesem Buch spiegelt... Die offene Dramaturgie des Leipziger Improvisationsensemble Phönixx mit dem Geiger Lutz Ambrosius und den Schlagzeugern Andreas Brinsa und Wolfram Dix, hat ihren Reiz und ist auf jeden Fall besser als Chinoiserie. Die beiden Schlagzeuger musizierten mit oft meditativer Ruhe, aber auch mit großer metrischer Vielfalt und einander überlagernden Strukturen. Die Violine konnte ihren Part über dem perkussiven Untergrund frei gestalten. Elektronische Vermehrfachung schuf mehrschichtige flächige Klanggebilde.

Eine Muse für den Irrtum
Neue Galerie Erata eröffnete mit Bildern, Texten und Liedern

von Hendrik Pupat, Leipziger Volkszeitung, 16. 1. 2000

Durch die Luft schwirren die Stimmen ausgelassen spielender Kinder, ansonsten gibt sich das Ostende der Kantstraße reizarm: Eine ruhige Wohngegend. Das Schild zwischen den Hausnummern 59 und 61 lädt zur Eröffnung der "Galerie Erata - Eingang durch den Garten". Ein ungewöhnlicher Weg in eine ungewöhnliche Galerie, die einen ungewöhnlichen Auftakt bot: mit Lesung und Konzert. Die Bilder an den Wänden fallen zunächst kaum auf. Hinweise auf Maler, Titel und Preis fehlen noch. Auf einem Pult liegt stattdessen ein Buch: "Erst die Linke, dann die Rechte. Eine Anthologie für Auge und Ohr" - das jüngste, noch druckfrische Werk der Edition Erata. Ein kleiner Autorenverlag. Viktor Kalinke, Schriftsteller und von Beruf Psychologe, hat darin unter anderem seine Übersetzung von Laotses Aphorismen "Tao-te-king" herausgebracht. Und Malerin Marion Quitz nutzte Erata, um ihrer Ausstellung letzten Oktober im Goethe-Institut von Alexandria einen Katalog zu spenden. "Erata ist ein Kunstbegriff, ein Wortspiel", erklärt Kalinke. Es setze sich zusammen aus "errata", lateinisch für Irrtümer, und Erato, der Muse für Liebeslieder. Pünktlich zum einjährigen Bestehen erweitert das Kleinverlegerpaar seine Edition um die Galerie Erata. In der können sie ihre neuste Veröffentlichung gebührend präsentieren: "Erst die Linke, dann die Rechte" ist eine Text- und Bildsammlung, die Werke von je fünf Dichtern und Malern "gleichwertig" nebeneinander stellt. Dieses Konzept greift der Galerie-Auftakt auf: Kunst an der Wand, Lesung im Raum. Zur Eröffnung liest zum Beispiel Thomas Winter kryptische, von feinem Humor durchsetzte Gedichte, während der Besucher eine Collage des Medienkünstlers Steffen Balmer ergründen kann. Thomas Kunst lässt sein literarisches Ich in einem mitreißenden Monolog eine unglückliche Liebe reflektieren, während der Blick womöglich haften bleibt am naiv-reizenden Bild einer Reiterin von Gabriele Francik. Existentialistische Lyrik der Ägypterin Mariam Abdel Al, gelesen von ihrem Übersetzer Bernd Karwen, ergänzt sich mit verspielten Bilderserien von Marion Quitz. Viktor Kalinke schließlich unterhält mit einer amüsanten "Post-Science-fiction"-Geschichte, während die pointierten, absurden Zeichnungen von Oliver Kossak ins Auge fallen. Kossaks "Soapopa" lässt sich in einem Comicstrip "erst die linke, dann die rechte" Hand abhacken - daher der Titel der Anthologie. Schließlich trumpften Tomshelter trotz ihrer Minimal-Instrumentierung aus Gitarre und Cello mit eindringlichen Bluesrock auf. Im Rahmen eines solchen Event - Bilder, Lesung und Lieder - lohnt sich ein Blick in die Kantstraße unbedingt.

 

 

 

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